[#WritingFriday] Week 12

Hi Schreiberlinge

Mir ist eben erst klar geworden, dass wir diesen Monat 5 Freitage haben :) so werde ich alle Schreibaufgaben lösen und bin gespannt wer von euch auch die 5 von 5 schafft! :D Gerne möchte ich von euch wissen, wie kommt ihr mit dem Schreiben so zu recht? Sprudeln die Ideen zu den Schreibthemen sofort oder sitzt ihr länger an euren Texten?


Die Regeln im Überblick;

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Schreibthemen März


Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.

Ich mag Schuhe. Dies liegt bestimmt daran, dass ich mich früher beruflich damit befasst habe und mich so bei Schuhen richtig gut auskenne. Aber im Gegensatz zu früher mag ich Schuhe jetzt wirklich sehr. Heute ist richtig schönes Wetter und ich sitze in meiner Lieblingsstrassenecke, neben einem gut befüllten Café. Dort sind immer jede Menge Menschen und das bedeutet für mich meistens etwas Kleingeld oder einen Kaffee. Oft werde ich als Obdachloser bezeichnet aber ich bevorzuge den Begriff; Freiheitsliebender Vagabund. 

Vor langer Zeit habe ich mich aus freiem Willen für dieses Leben entschieden und bereue bis jetzt keinen Augenblick davon. Natürlich ist es im Winter grausig kalt aber es gibt viele Unterschlüpfe, die man sich gemütlich zurecht machen kann. Mit der Zeit habe ich eine richtig gute Menschenkenntnis gewonnen und spüre sofort, wenn mir jemand etwas böses möchte. Denn es gibt viele Menschen, die akzeptieren die Tatsache nicht, dass ich gerne so bin wie ich bin.

Die bezeichnen mich oft als Abschaum und ärgern sich darüber, wenn ich ihnen im Weg stehe. Doch ich habe mir eine harte Schale angeeignet und lasse solche Bemerkungen an mir abprallen. Im Strassencafé sitzen früh Morgens meistens die selben sieben Menschen. Da ist Antonio, er trinkt stets einen Espresso mit drei Stück Zucker. Neben ihm sitzt meistens Leonardo sein Arbeitskollege, dieser bevorzugt aber Tee. Weiter vorne sitzt Frau Berta Rubrecht, eine ältere Dame, die mir meistens den Kaffee mit spendiert, dafür unterhalte ich mich stets mit ihr und höre mir die Geschichten über ihren Goldfisch Hubert an. Im hinteren Teil sitzt meistens eine junge Dame, dessen Namen ich noch nicht kenne, sie trinkt einen Cappuccino und isst dazu einen Berliner. Weiter vorne sitzen da noch Lora, Bea und Helene, drei Kunststudentinnen, die nur grosse Kaffees trinken und ansonsten Still in ihre Laptops starren.

An diese sieben Menschen habe ich mich bereits gewöhnt und mir fällt sofort auf, wenn sich etwas bei ihnen verändert. So sitzt heute neben der jungen Dame ein gutaussehender Herr der ebenfalls Cappuccino trinkt und sich scheinbar prima mit ihr versteht. Sofort frage ich mich, ob dies ein Arbeitskollege von ihr ist oder doch der Freund? Ich weiss, dass meine Neugier nervig sein kann aber es ist eine meiner Hauptbeschäftigungen; das Beobachten.

Wenn man Beobachten hört, denken viele an „Spannen“, doch das tue ich nicht. Wenn ich mir täglich die vielen Menschen, die an mir vorbei gehen so ansehe, fällt mir sofort auf, dass viele nur von einem Termin zum anderen hetzen, dabei meistens den Blick auf ihre Smartphones gerichtet haben und ihre Umwelt total vergessen. Viele haben tatsächlich auch verlernt mal etwas bewusst wahrzunehmen, die Dinge zu beobachten, zu analysieren und sich Zeit dafür zu nehmen. Viele leben im Morgen oder Gestern und vergessen schlicht und einfach das Jetzt.

Mir kann das jedenfalls nicht mehr passieren, denn ich beobachte und umso mehr ich sehe umso klarer sehe ich. Diese Welt in der scheinbar alle gestresst, unausgeglichen und genervt sind ist nicht mehr meine Welt. Ich bin gerne frei, bestimme selbst über mein Tun und Sein. Wenn ich jemanden sehe, der besonders gestresst wirkt versuche ich ihn in ein Gespräch zu verwickeln, meistens schauen sie einen dann ganz perplex an und man kann förmlich sehen, wie man sie aus ihren eigenen Gedanken gerissen hat.

Wenn es Nacht wird, wünsche ich mir mein altes Leben manchmal zurück, ein richtiges Bett wäre schon toll und eine warme Wohnung. Doch dann erblicke ich den Sonnenaufgang und alles ist wieder gut. Ich bin absolut glücklich.


Aktuelle Teilnehmer (ihr könnt jederzeit mit einsteigen!):

RAN AN DIE STIFTE,
elizzy
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