Agnes von Peter Stamm #Rezension

Agnes| Roman| 160 Seiten
S. Fischer Verlag | Cover | ISBN: 978-3-596-51151-8
gelesen am 25.03.2018


Klappentextagnes_peterstamm

Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte. Eines Tages fordert Agnes ihn auf, ein Porträt über sie zu schreiben, sie will wissen, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, dass Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen – und dass die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält. (Quelle: S. Fischer Verlag)

Zusammengefasst

Agnes ist nur schwer in Worte zu fassen. Doch in diesem Buch versucht es der Protagonist und lernt viele Facetten von ihr kennen. Er beschreibt sie und zugleich lebt er mit ihr ein Leben, dass irgendwie gesteuert ist und zugleich schwer zu kontrollieren ist.

Peter Stamm schreibt mit einer solchen Poesie in den Sätzen, dass man öfter innehalten muss und über das Geschriebene nachdenkt. Die Wörter sind perfekt gewählt und versetzen einen in eine Stimmung, die ich nur sehr schwer beschreiben kann.

Darüber Gedanken gemacht

Dies war mein erstes Buch von Peter Stamm und obwohl ich auch noch „Nacht ist der Tag“ von ihm auf meinem SuB habe, brauchte es diesen kleinen Buchladen und ein Interview bevor ich mich an eins seiner Bücher wagte. Es fing heute vor einer Woche an, per Zufall schaute ich mir eine Literatursendung an zu Gast war Peter Stamm und er erzählte. Über seine Bücher, über die Art wie er auf seine Ideen kam, wie er schrieb und welche Themen ihm wichtig sind. Ich fand das Gespräch sehr spannend und nahm ihn als eine sehr angenehme Person wahr, die zu jedem Thema die passenden Worte fand. Am selben Tag waren wir unterwegs in einer fremden Stadt und dort entdeckte ich einen klitzekleinen Buchladen und ging natürlich hinein. Magisch zog es mich zu den Taschenbüchern und der erste Griff war Agnes. Ich musste schmunzeln und dachte mir „Wieso nicht!?“

„Glück malt man mit Punkten, Unglück mit Strichen… Du musst, wenn du unser Glück beschreiben willst, ganz viele Punkte machen… Und dass es Glück war, wird man erst aus der Distanz sehen.“

Am Sonntag las ich Agnes dann. Ich sog es beinahe auf und legte das Buch erst beiseite, als auch die letzte Seite gelesen war. Obwohl es „nur“ 160 Seiten sind, haben es gerade diese Seiten in sich. Die Grundstimmung im Buch ist sehr kühl und irgendwie auch melancholisch, doch gerade diese Stimmung macht das Buch besonders. Man fühlt sich nah an den Protagonisten und zugleich Meilen von ihnen entfernt.

Die Kapitel sind kurz und greifen doch immer wichtige Themen auf, so fragt Agnes „Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?“, doch anstatt die Fragen klar zu beantworten schweift Peter Stamm öfter ab und lässt einem so die Möglichkeit sich selbst eine Meinung zu bilden.

Besonders spannend und unheimlich zugleich ist aber die Sache mit dem „Porträt schreiben“ – denn plötzlich entwickelt sich das ganze anders als geplant und Agnes wird „gelebt“ anstatt selbst zu leben. Sie „wartet“ auf Anweisungen, was soll sie als nächstes tun, sagen, anziehen? Wie sollte ihr Leben nach diesem Buch aussehen? Doch schnell wird den beiden klar, man kann das Leben nicht in eine Geschichte verpacken und diese nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten, denn das Leben überrascht einen immer mit dem Unerwarteten. Was tut man dann? Schreibt man die Geschichte um? Und wie soll das Ende aussehen?

Gefiel mir sehr

Die Grundstimmung des Buches war sehr speziell und versetzte mich sofort in eine Art Trance. Wie ihr auch oben bemerkt, birgt diese kleine Geschichte so viel mehr, als das man zu Anfangs erwartet.

„Als Kind waren die Figuren der Bücher, die ich las, meine besten Freunde“, sagte sie, „meine einzigen Freunde eigentlich. Auch später noch. (…)“ S. 119

Gefiel mir nicht

Das Ende war für mich ein kleiner Schock, obwohl es irgendwie auch zu erwarten war. Und obwohl die Botschaft in diesem Buch sehr stark ist, kann sie durchaus auch gefährlich sein.

Schreibstil & Cover

Der Schreibstil von Peter Stamm hat mich umgehauen und Agnes wird nicht das letzte Buch von ihm sein, dass ich lesen werde. Ich zitiere hier das Focus Magazin „Kein Wort zuviel oder zuwenig. Peter Stamms Prosa ist vollkommen.“

Das Cover ist schlicht und verschwommen, was sehr gut zur Geschichte passt. Denn Agnes ist nicht wirklich greifbar.

Fazit

Ein Buch das mich auf jeden Fall durch seinen Schreibstil und die Stimmung überrascht hat. Von mir eine klare Leseempfehlung.

Bewertung
Buchlänge ♥♥♥♥♥ (5/5)
Schreibstil ♥♥♥♥♥ (5/5)
Botschaft ♥♥♥♥ (4/5)
Lesevergnügen ♥♥♥♥ (5/5)


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5 Gedanken zu “Agnes von Peter Stamm #Rezension

  1. Liebe Elizzy,
    du beschreibst in deiner Rezension genau das, was ich auch gefühlt habe, als ich „Agnes“ von Peter Stamm gelesen habe. Man ist den Protagonisten irgendwie zum Greifen nah, aber doch so fern. Und die kühle und traurige Grundstimmung des Buches ist mir auch noch in Erinnerung geblieben – sehr speziell, aber auch sehr faszinierend.
    Liebste Grüße,
    Ida

    Gefällt 1 Person

  2. Hi Elizzy,

    wow. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich nette Worte über „Agnes“ gehört (oder gelesen) habe. Das muss ich erst mal verarbeiten. Wie schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat!
    Bei uns war „Agnes“ eines der drei Bücher, die wir für das Abitur lesen mussten. Vielleicht war das einfach auch schon kein guter Start. Aber „Agnes“ war definitiv das Buch, dass ich von den dreien am wenigsten mochte (nach „Dantons Tod“ von Büchner und „Homo Faber“ von Max Frisch). Ich fand es langweilig, die Charaktere fade, distanziert und ich konnte mich nur selten mit ihnen identifizieren. Den Schreibstil und die Atmosphäre, die dir so gut gefallen haben, empfand ich als bedrückend und eintönig. Und die ganze Diskussion, die wir darüber geführt haben, ob man das Ende (oder den Anfang) jetzt wörtlich verstehen soll/kann/muss oder nicht, fand ich elendig lang und unsinnig.
    Damals hat Peter Stamm auch bei uns an der Schule gelesen. Und auch wenn er ab und zu ein paar Sachen gesagt hat, vor allem über Bücher oder das Schreiben, denen ich durchaus zustimmen konnte (was ich nie offen hätte zugeben dürfen), ist er mir doch als mürrisch und unsympathisch in Erinnerung geblieben – vor allem, da er auf keine unserer Fragen wirklich geantwortet hat. Was sehr frustrierend war. Aber ich kann auch sehr gut verstehen, dass er nicht wirklich Lust hatte 150 Teenagern, die sein Buch alle nicht freiwillig gelesen haben, seine Geschichte zu erklären.
    Ich finde es auf jeden Fall sehr spannend mal so eine ganz andere Sichtweise auf dieses Buch kennenzulernen und hoffe, dass dir „Nacht ist der Tag“ dann genau so gut gefällt 😉

    Alles Liebe,
    Maike

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Maike
      Vielen Dank für deinen Kommentar, ich finde es immer besonders schön zu lesen, wie ich mit meinen Beiträgen Menschen zum erzählen bringen kann 😀 so finde ich es sehr interessant, dass du das Buch für die Abitur gelesen hast und auch spannend, dass es dir so gar nicht gefallen hat. Neidisch bin ich aber schon, dass du Peter Stamm live gesehen hast 😀 ich kann durchaus verstehen, dass je nach Stimmung und Situation Agnes ein schwieriges bzw. langweiliges Buch sein kann. Vielleicht war ich auch einfach in der richtigen Stimmung und fand es deshalb so besonders. Und doch bin ich froh zu sehen, wie unterschiedlich ein Buch auf die Menschen wirken kann. Das macht doch das Lesen besonders, findest du nicht auch? 😀
      Alles Liebe ❤

      Gefällt 1 Person

      • Definitiv! Es wäre ja total langweilig, wenn wir alle die selben Bücher toll fänden. Dann könnten wir ja nur noch halb so viel über Bücher sprechen – was ja nach dem Lesen selbst wohl wirklich eine unserer aller Lieblingsbeschäftigungen ist. 😉
        Und nicht neidisch sein! Vielleicht hast du ja auch irgendwann mal die Gelegenheit ihn lesen zu hören/ihm zu begegnen!
        LG, Maike

        Gefällt 1 Person

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