Eine etwas andere Sitzung. [#WritingFriday] Week 31

Hi Schreiberlinge

Heute beginnen wir mit den neuen Schreibthemen für den Monat August! Ich hoffe euch sagen die Themen zu und ihr könnt dazu eure Geschichten schreiben. Heute versuche ich mich in den Kopf einer Paartherapeutin hineinzuversetzen. Bin schon gespannt, welches Thema ihr gewählt habt!


Die Regeln im Überblick;

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Schreibthemen August

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz “Luna war so verliebt aber niemand hätte damit gerechnet, dass…” beginnt.
  • Beschreibe einen Tag im Leben einer Plastikflasche.
  • Schreibe eine Geschichte zu folgender Situation; Du betrittst einen schummrigen, alten Laden und kaufst …(Platz für eigene Idee)… dafür wirst du dann aber verfolgt.
  • Schreibe eine Danksagung an dein Bücherregal.
  • Du bist Paartherapeutin, erzähle von einer Sitzung.

Du bist Paartherapeutin, erzähle von einer Sitzung.

Ich liebte meinen Job.
Er forderte mich jeden Tag aufs Neue aber was ich letztens erlebt hatte, war mir bisher noch nie passiert. Es war ein Freitag, ich hatte bereits zwei Patientensitzungen hinter mir und freute mich schon aufs Wochenende. Als plötzlich meine Tür aufgerissen wurde und John, ein Patient von mir, hineinstürmte. Hinter ihm kam meine Assistentin daher.

“Es tut mir sehr Leid, er stürmte einfach an mir vorbei..” versuchte sie sich noch zu entschuldigen, doch ich hob bereits die Hand und lächelte sie an.

“Ist schon gut Janett, Sie können wieder an ihren Platz.” Sie nickte und verliess mein Büro. Sofort fing John an aufgebracht mit den Händen zu fuchteln

“Es ist etwas schreckliches passiert”, sagte er und fügte hinzu “Es konnte einfach nicht bis zur nächsten Sitzung warten Dr. Jozes tut mir Leid.”

“Das ist in Ordnung John, nehmen Sie doch bitte Platz. Berichten Sie mir was geschehen ist.” John war einer meiner längsten Patienten, er litt unter panischer Bindungsangst, die Ursachen dafür lagen weit zurück in seiner Kindheit. Während vieler Sitzungen übten wir seinen sozialen Kontakt zu verbessern. Wir sind mittlerweile so weit gekommen, dass er fremde Menschen selbstständig ansprechen und sogar ein kleines Small Talk Gespräch führen kann.

Er sass vor mir auf der roten Couch, strich sich nervös über seine beige Stoffhose und versuchte sich zu sammeln. Er setzte mehrmals an, doch brachte kein Wort über seine Lippen.

“Wir haben alle Zeit der Welt John, Sie müssen sich nicht hetzen.” Ich nahm mein Heft hervor und lächelte ihn freundlich an.

“Es ist so… Sie wissen ja, ich habe… also Sie kennen ja Diane.”
“Ihre Nachbarin mit dem freundlichen Kater”, fügte ich hinzu um ihn zu ermutigen.
“Ja genau! Gestern Abend dachte ich mir, dass ich ihren Rat beherzige und Sie zum Essen einlade.”
“Oh das freut mich aber John!”
“Nein, es war eine Katastrophe”, er stand abrupt auf und fing an vor der Couch hin und her zu laufen “Sie hat Ja gesagt!”
“Aber John, das ist doch toll! Das haben Sie unglaublich gut gemeistert, Sie können stolz auf sich sein”, versuchte ich ihn zu bestärken. Er sah mich an und da merkte ich seine Tränen.
“Es ist gar nicht toll, ich bin… es gibt da… eine Frau…”, er setzte sich wieder “…eine andere Frau meine ich”, fügte er noch hastig hinzu und strich sich eine Lose Strähne hinters Ohr.
“Hmm… davon haben Sie mir aber nichts erzählt John. Von wo kennen Sie denn diese andere Frau?” Ich notierte mir diese Neuigkeit in mein Heft.
“Ich… also ich kenne sie schon eine ganze Weile und ich glaube, ich liebe Sie.”
“Oh das ist doch wunderbar John!”
“Nein, Sie verstehen nicht Dr. Jozes, ich liebe Sie!”
Ich runzelte die Stirn, hatte ich das richtig verstanden? Doch ehe ich noch etwas Fragen konnte, stand er wieder auf, griff in seine Jackentasche und holte eine kleine Schatulle hervor. Er schluckte ein paar, Kniete sich vor mich hin und stellte mir tatsächlich die Frage.

“Dr. Jozes…. Jules… Möchtest du mich heiraten?”

Ich war schockiert, das ganze lief komplett aus dem Ruder.
“Oh, John… das ist so lieb von Ihnen aber ich kann unmöglich annehmen. Mein Job erlaubt mir nicht eine Beziehung mit einem Patienten einzugehen.”
“Das bin ich also für Sie…” er stand auf “ein Patient…!”
“John, bitte setzen Sie sich, wir können darüber sprechen”, doch er hörte mir nicht mehr zu und fing wieder an hin und her zu laufen.
“Aber Sie haben doch gesagt, dass Sie mich sehr schätzen und… und… Sie waren immer für mich da.”
“John, bitte setzen Sie sich. Wir können gerne darüber sprechen aber Sie dürfen sich jetzt nicht aufregen.”
“Nein!”, schrie er “Ich will nicht, ich gehe jetzt!” Ich wusste aus Erfahrung, dass ich ihn in diesem Zustand nicht gehen lassen durfte und wollte gerade aufstehen. Er war bereits an der Tür, da hielt er plötzlich inne, drehte sich nochmal um und sagte

“Sie werden dafür bezahlen.”

Ich hielt mitten in der Bewegung inne und blickte ihn schockiert an. Hatte er das gerade wirklich gesagt? Doch ehe ich reagieren konnte, öffnete er die Tür und stürmte hinaus. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter, ich griff zum Hörer “Janett, verbinden Sie mich bitte mit der Polizei.”


 Aktuelle Teilnehmer (ihr könnt jederzeit mit einsteigen!):

RAN AN DIE STIFTE,

elizzy

Rückblick auf den Juli
Buchladen vs. Bibliothek [#WritingFriday] Week 27
Vom Fallen und Fliegen [#WritingFriday] Week 28
Das Sommergewitter [#WritingFriday] Week 29
Wohin gehst du? [#WritingFriday] Week 30

24 Replies to “Eine etwas andere Sitzung. [#WritingFriday] Week 31”

  1. Guten Morgen Elizzy!
    Ich hatte schon kurz Angst, es wird eine Liebesgeschichte 😀 Mir gefällt, wie du den Patienten hast ausufern lassen. Tatsächlich hast du, bzw. die Therapeutin realistisch gehandelt. Sehr gut! Schon ein bisschen Schade das der Patient sich mit seiner Bindungsangst in die Therapeutin verliebt, obwohl er wissen müsste das es sowieso nicht rechtens ist. Leider passiert das dennoch ständig. Ich selbst hatte mal so einen Patienten als ich noch als Freiwillige in der Entzugsklinik (Städtische Psychiatrie) gearbeitet habe ^^ Zum Glück ist der nicht so ausgerastet 😀
    Aus Erfahrung: Du hast das sehr realistisch geschrieben! Großartig!
    Bei mir lernst du heute Pingu kennen 😀 Ich würde dir auch so einen tollen Link einfügen wie der Sebastian, ich weiß aber nicht wie das geht ^^
    Liebste Grüße, Annie

    1. Vielen dank liebe Annie! Und Link einfügen geht ganz fix: Du gehst auf deinen Beitrag, dort siehst du ganz oben in der Leiste – deinen Beitragslink, den kopierst du am einfachsten, wenn du mit dem “Rechtsklick” drauf drückst, und dann kannst du diesen in deinem Kommentar wieder mit “Rechtsklick” einfügen. 😀

  2. Sehr interessante Themen, ich habe das Thema schon eine ganze Weile beobachtet und werde dieses Mal auch mitmachen…
    Deine Geschichte gefällt mir sehr gut!
    Liebe Grüsse
    Thomas

  3. Liebe Elizzy,
    nun bin ich schon eine kleine Weile bei dieser Aktion dabei und merke, wenn in einer kurzen Geschichte so viel auf einmal passiert, wirkt sie etwas hastig. Weiß aber aus eigener Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist, der Geschichte einen gewissen “Kick” zu verpassen und gleichzeitig nicht ausufernd zu werden.
    Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass Therapeuten mit solchen Situationen oft konfrontiert werden. Ich mag mit deiner Dr. Jozes (wie spricht sich denn dieser Name aus?) nicht tauschen.
    Leider weiß ich auch aus eigener Stalking-Erfahrung, dass die Polizei in diesem Stadium gar nichts machen kann. Traurig aber wahr. Deine Therapeutin hat mein vollstes Mitleid.
    Bei mir geht es heute um die PLASTIKFLASCHE bzw. um Plastik ganz allgemein.
    GlG, monerl

    1. Hallo Monerl, ich versuche mich bewusst kurz zu halten 🙂 dies ist eine Art persönliche Übung von mir und ich gestalte die Texte jede Woche entweder länger oder kürzer. Es ist nicht einfach sich in einen Job hinein zu versetzen, denn man nur von Filmen oder Büchern kennt 😀
      Werde mir deinen Beitrag gleich noch durchlesen!

  4. Liebe Elizzy,
    echt eine coole Geschichte. Ich kann mir so richtig vorstellen, wie der Patient versucht, seine Ängste in Griff zu bekommen. Bei mir wird es heute um die Sichtweise einer kleinen Plastikflasche gehen. ☻
    LG Isabel

  5. Hey Elizzy,
    eine überraschende Wendung. Erst dachte ich, es wir eher witzig, dann dachte ich romantisch und jetzt ist es eher beängstigend, dafür aber recht realistisch. Wenn eine Beziehung so eng ist wie die zwischen Therapeut und Patient, ist es kein Wunder wenn sich Patienten verlieben.
    Sehr spannend auf jeden Fall.
    Grüße, Katharina.

  6. Hi Elizzy!
    Wow, mit dem Plottwist habe ich nicht gerechnet! Die arme Psychiaterin 0.0 Ich finde es immer wieder toll, wie du in so wenig Text eine ganze Geschichte erzählen kannst. Die Charaktere kommen auch sehr realistisch rüber. Top! 🙂 Wenn du jetzt noch durchgehend im Präteritum schreibst und einige Kommata einfügst, ist es perfekt 😉
    Auch bei dem schweizer “ss” schrillen bei mir immer noch alle Alarmglocken, daran werde ich mich wohl nie gewöhnen, aber das ist mein persönliches Problem :’D
    Ich habe heute eine Geschichte über eine Plastikflasche geschrieben, die ein bisschen außer Kontrolle geraten ist… aber vielleicht gefällt sie dir ja! 😀
    https://buecherbombe.wordpress.com/2018/08/03/writing-friday-die-rache-des-flaschensoldaten/

  7. Hi Elizzy,
    ich dachte auch für einen Augenblick, dass sie vielleicht doch auf sein Liebesgeständnis eingeht. Gruselig, wie er dann so abgeht. Aber es klingt plausibel.
    Eine wirklich starke Geschichte!
    Ich bin spät dran, aber von mir gibt es diesmal eine Ode an mein Bücherregal
    LG
    Daniela

  8. Hallo Elizzy!
    Was ein Plot-Twist in meinen Augen. Erst fand ich ihren Patienten total niedlich und dann so etwas. Ich kann mir gut vorstellen, dass so eine Situation bei Therapeuten generell Gang und Gäbe ist. Schrecklich. Es ist aber dann, denke ich, auch sehr schwierig als Therapeut “richtige” Signale zu senden. In der Haut deiner Protagonistin würde ich nicht stecken wollen.
    Ein ganz toller Text!
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Lisa

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