Überredung von Jane Austen [#Rezension]

In Überredung lernt man nicht nur Anne Elliot kennen
auch ihre Familie spielt hier eine wichtige Rolle.

Worum geht es?

Wir lernen die Familie Elliot in einer weniger glücklichen Lage kennen. Sir Walter Elliot hat erfahren, dass er über seine Verhältnisse lebt und muss sich Gedanken über seine und die Zukunft seiner Töchter machen. Er lässt sich dazu überreden, sein stolzes Herrenhaus in Kellynach zu vermieten und in einen bescheideneren Sitz nach Bath zu ziehen. Seine älteste Tochter Elizabeth begleitet ihn dabei. Anne, die mittlere Tochter soll zu einem späteren Zeitpunkt nachreisen. Dies ist ihr auch ganz Recht, denn nun hat sie die Möglichkeit ihre jüngste Schwester Mary und ihre Familie zu besuchen. Doch das sie ausgerechnet dort auf dem Lande ihrer längst vergessenen grossen Liebe über den Weg läuft, damit hätte sie nicht gerechnet…

Erster Satz:
“Sir Walter Elliot von Kellynach Hall in Somersetshire war ein Mann, der ausser dem Adelskalender nie ein Buch zum Vergnügen in die Hand nahm; dabei aber fand er Beschäftigung in müssigen und Trost in trübsinnigen Stunden; dabei erregte der Gedanke an den ausgesuchten Kreis der noch überlebenden ältesten Adelsfamilien Bewunderung und Ehrfurcht in ihm; dabei verwandelten sich alle unangenehmen Empfindungen, die wohl mit seinen häuslichen Umständen zusammenhingen, unweigerlich in Mitleid und Verachtung, wenn er die schier endlosen Adelsverleihungen des letzten Jahrhunderts durchblätterte; und dabei las er, wenn alle anderen Seiten des Buches ihre Wirkung verfehlten, mit nie versagendem Interesse seine eigene Geschichte.”

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Klappentext

Acht Jahre ist es her, dass sich Anne Elliot von ihrem Vater überreden ließ, den Heiratsantrag Frederick Wentworths zurückzuweisen. Fortan hat Anne freudlos auf dem Herrensitz ihres Vater gelebt, während aus Wentworth ein wohlhabender und weltgewandter Marineoffizier geworden ist. Als sich beide eines Tages wieder begegnen, beginnt eine zaghafte Annäherung, die in einer der originellsten Liebeserklärungen der Weltliteratur ihren Höhepunkt findet. (Quelle: Reclam


Meine Meinung

Ich mag Klassiker sehr gerne, schnell komme ich in den Schreibstil der Geschichte rein und verliere mich in die Welt der Kutschen, Nachmittagstees, Spaziergängen und Dinnerpartys. Ich lerne Anne Elliot als bescheidene, stets hilfsbereite und unauffällige Person kennen. Man hat in der Hälfte des Buches sogar das Gefühl, dass sie in die “Hauptrolle” des Buches gezwungen werden muss.

Denn sie lässt oft ihren Schwestern den Vortritt, es dreht sich alles um die Wünsche von Elizabeth und Mary und man vergisst beinahe, dass diese Geschichte eigentlich von Anne handeln sollte. Doch im zweiten Teil des Buches wurde mir klar, wieso es am Anfang beinahe so schien, als sei Anne durchsichtig. Denn nur so konnte man sehen, wie sehr sie sich im Verlauf der Geschichte entwickelt. Wie mutig sie wird und wie sie es schafft endlich für sich einzustehen.

In Überredung wird nicht viel in direkter Rede gesprochen, doch die Nuancen und Botschaften, die man zwischen den Zeilen liest sprechen mit grosser Wirkung für sich. So erfährt man durch Blicke, einzelnen Berührungen oder Schweigen, mehr über die Personen, als man vielleicht mit gesprochenen Sätzen bewirken könnte.

“Obwohl er sie für die Vergangenheit verurteilte und mit heftiger, ungerechter Empörung darauf zurückblickte, obwohl sie ihm völlig gleichgültig war und obwohl im Begriff, sich in eine andere zu verlieben, konnte er ohne das Bedürfnis, ihr beizustehen, doch nicht mit ansehen, wie sie litt.” S. 112

Die Liebe zwischen Anne Elliot und Frederick Wentworth begann bereits vor 8 Jahren, doch die Überredungskünste von Lady Russell schafften es, dass Anne die Verlobung mit Wentworth auflöste. Schliesslich war er damals ein gewöhnlicher Bürger ohne Titel. Doch als sie sich das zweite Mal im Leben über den Weg laufen, ist er nun Kapitän und konnte ein beachtliches Vermögen zusammenbringen. Anne ist sich ihren Gefühlen schmerzlich bewusst, doch sie weiss, dass er ihr ihre Abweisung kaum verzeihen würde. Und so beginnt ein hin und her. Sie lässt ihn ziehen nur um festzustellen, dass er doch nicht ganz von ihr los kommt.

Das ganze erreicht seinen Höhepunkt in Bath und es war überaus spannend mitzuerleben, wie die beiden den Weg zu einander suchten und welche Stolpersteine ihnen in den Weg gelegt wurden. Ebenfalls interessant war es die Entwicklung von Anne Elliot mitzuerleben und die Botschaft, die ich dadurch erhielt war unter anderem; Man sollte sich selbst und seinen Gefühlen vertrauen und sich nicht von anderen zu Dingen überreden lassen, die gegen das Herz sprechen.

Schreibstil & Cover

Der Schreibstil war wunderbar, wenn auch teilweise etwas sehr hochgestochen. Man muss beim Lesen auf jeden Fall konzentriert bleiben, denn es kann schnell passieren, dass man etwas wichtiges überliest. Das Cover meiner Ausgabe ist unglaublich schön und ich werde das Buch an einem besonderen Ort im Bücherregal aufbewahren.

Fazit

Mich konnte Überredung durchaus überzeugen, das Buch erlaubte es mir für eine kurze Zeit ins frühe 19. Jahrhundert einzutauchen und mich in die Welt von Teegesellschaften zu verlieren. Ich finde Klassiker sehr wichtig, denn Jane Austen und andere wichtige Autorinnen haben die frühe Zeit der Bücher geprägt und sollten nicht vergessen gehen.

Bewertung
Buchlänge ♥♥♥♥♥ (5/5)
Schreibstil ♥♥♥♥ (4/5)
Botschaft ♥♥♥♥♥ (5/5)
Lesevergnügen ♥♥♥♥ (4/5)


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Überredung|Klassiker|348 Seiten
Reclam Verlag| Cover | ISBN: 978-3-15-020405-4
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rezensionen im ueberblick

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