[Kolumne] Dienstags bei Morrie [Wir reden über unsere Kultur #10]

“Menschen sind nur böse, wenn sie bedroht werden.” S. 175

Morries Zustand ist nun mehr als kritisch, er befindet sich bereits im Bett und kann so gut wie gar nichts mehr selbstständig erledigen. Mitch fragt sich, ob ihm einige Dinge nicht unangenehm wären. Doch Morrie macht ihm deutlich; es gibt Regeln, die man nicht brechen sollte, wie zum Beispiel bei einer Ampel über Rot gehen, doch alle anderen “Regeln” werden von der Gesellschaft erzwungen.

“Dasselbe gibt für Frauen, die nicht dünn genug,
oder Männer, die nicht reich genug sind.
Das sind bloss die Dinge, die unsere Kultur dir einregen will. Glaub sie nicht.” S. 177

Im Leben geht es darum, sich seine eigene Kultur zu schaffen und nicht auf das zu hören, was die Gesellschaft einem als Richtig verkaufen will. Es geht darum herauszufinden was für einen selbst richtig und wichtig ist. Mitch möchte von ihm wissen, wieso er nicht einfach in ein Land zieht, in dem ihm die Kultur passt? Doch Morrie macht ihm schnell klar: Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Probleme.

“Das Problem, Mitch, besteht darin, dass wir uns nicht klar darüber sind, dass alle Menschen einander sehr ähneln. Weisse und Schwarze, Katholiken und Protestanten, Männer und Frauen. Wenn wir mehr diese Ähnlichkeiten sehen würden, dann würden wir vielleicht in dieser Welt zu einer grossen menschlichen Familie zusammenwachsen wollen und uns um jene Familie genauso wie um unsere eigene kümmern.” S. 178

Das wichtigste ist dabei die Erkenntnis; Wir sind alle gleich, wir werden geboren und brauchen jemanden, der sich um uns sorgt, wir werden alt und brauchen jemanden, der sich um uns sorgt. Doch das wichtigste dazwischen, in unserem Leben brauchen wir auch jemanden, der sich um uns sorgt. Wir haben sogar die Ehre uns unsere engsten Menschen selbst auszusuchen und mit ihnen unser Leben zu gestalten. Ist dies nicht unglaublich schön und bereichernd? Wir können unsere eigene Kultur erschaffen, dies sollten wir nie vergessen.


KlappentextDienstagsbeiMorrie
Als er erfährt, dass sein ehemaliger Professor Morrie Schwartz schwer erkrankt ist und bald sterben wird, beginnt der Journalist Mitch Albom seinen Lehrer jede Woche zu besuchen. Und er, der meinte, dem Sterbenden Kraft und Trost spenden zu müssen, lernt stattdessen dienstags bei Morrie das Leben neu zu betrachten und zu verstehen. (Quelle & Cover: Goldmann Verlag)

 


Vorherige Beiträge zu dieser Kolumne:
Einführung
Wir reden über die Welt #1
Wir reden über Selbstmitleid #2
Wir reden über den Tod #3
Wir reden über Familie #4
Wir reden über Gefühle #5
Wir reden über die Furcht vor dem Älterwerden #6
Wir reden über Geld #7
Wir reden über die Unendlichkeit der Liebe #8
Wir reden über die Ehe #9

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