Der Report der Magd von Margaret Atwood [#Rezension]

Wenn dein Körper nicht mehr
nur deiner ist.

Worum geht es?

Die Hauptprotagonistin, die sich in diesem Report Desfred nennt, erzählt aus ihrem Leben als Magd. Die Welt wie wir sie kennen gibt es aber nicht mehr. Die USA wurden angegriffen und eine atomare Katastrophe hat dazu geführt, dass sehr viele Frauen (und auch Männer) unfruchtbar geworden sind. Damit die Menschheit aber nicht ausstirbt, wurden einige der jungen Frauen in “Mägde” aufgeteilt. Pro Haushalt, erhält dann der Kommandant und seine Ehefrau eine Magd, welche ihnen nun ein Kind schenken sollte…

“Wir schliefen in dem Raum, der einst die Turnhalle gewesen war.”

– Der Report der Magd

 

der report der magd

Klappentext

Die provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen keine Rechte haben: Die Magd Desfred besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben … Margaret Atwoods „Report der Magd“ ist ein beunruhigendes und vielschichtiges Meisterwerk, das längst zum Kultbuch avanciert ist. (Quelle: Piper)


Meine Meinung

Der Report der Magd wurde bei mir erst aktuell, als nun auch der zweite Teil “Die Zeuginnen” von Margaret Atwood veröffentlicht wurde. Obwohl das Buch bereits 1985 im Handel erschien und damals auch sehr gehypt wurde, lief es mir bis dato nie über den Weg. 

Wie ihr ja wisst, bin ich vor kurzem einem Buchclub hier in meiner Stadt beigetreten, wir sprachen kurz über das Buch und stellten dabei fest, dass es tatsächlich noch keine von uns gelesen hatte. Schnell wurde das Buch also zu unserem Buch für die erste Buchclub Runde ausgewählt. 

Ich liege also in dem Zimmer, unter dem Gipsauge in der Decke, hinter den weissen Gardinen, zwischen den Laken, sauber und ordentlich wie sie, und trete seitwärts aus meiner Zeit heraus. Zeitlos. Obwohl dies Zeit und diese Zeit mein Los ist. – S.55

Der Report – den eine Geschichte ist es vom Stiel her weniger – beginnt ohne grosses Tamtam. Man wird direkt in den neuen Staat Gilead hineingeworfen und muss selbst schauen, wie man sich darin zurecht findet. So ging es wahrscheinlich auch Desfred, als sie in die Rolle der Magd gezwängt wurde. Nur langsam erfährt man die Hintergründe, findet heraus, dass sie eine “Schule” besuchen mussten, die sie auf ihre Rolle als Magd – oder auch in meinen Augen “Gebärmaschinen” – vorbereiten sollte.

Desfred wirkt sehr distanziert, möchte ihren wahren Namen nicht preisgeben und lässt den Leser nur sehr langsam an sich heran. Der Plot ist nicht einfach aber sehr intelligent aufgebaut.

Das Buch bietet viel Gesprächspotenzial, da es sowohl damals wie auch heute brandaktuell ist. Man kann sich diese Situation durchaus vorstellen und es ist erschreckend, wenn man sich darüber Gedanken macht, wie schnell etwas “Neues” für jemanden zu etwas “Alltäglichem” – “Normalem” wird. 

Haben wir so gelebt damals? Aber wir haben gelebt, wie es üblich war. Alle tun das, meistens jedenfalls. Alles, was vor sich geht, ist wie üblich. Sogar dies jetzt ist wie üblich. Wir haben wie üblich gelebt, indem wir ignorierten. – S.80

Obwohl Desfred nur bruchstückhaft von ihrer Vergangenheit Dinge preisgibt, erfährt man doch einiges über sie, ihre Mutter, ihren Mann und ihre Tochter. Diese Gedanken gibt sie nur in der Nacht von sich preis, schweift von einem Moment zum anderen und es war schwierig zu Anfang dort nicht den roten Faden zu verlieren. 

Durch den Tag hindurch erzählt sie von den Erledigungen, die sie machen muss. Man lernt auch andere Mägde kennen und langsam wird spürbar, dass nicht alle ihr Leben so hinnehmen. Es wird über eine Untergrundbewegung geflüstert. 

Bei alldem darf man aber nicht die Hauptaufgabe einer Magd vergessen. Der Akt und die daraus folgende Schwangerschaft. Im besten Fall mit einem Kind, welches nicht verseucht oder krüppelhaft geboren wird. Diese Szenen waren besonders schlimm und als Leser wollte man die Augen davor verschliessen.

Für wen von uns ist es schlimmer, für sie oder für mich? – S.131

Das Buch lässt einen nicht kalt. Es ist schwere Kost, die aber sehr viel Gesprächspotenzial bietet. Es regt zum Nachdenken an, schreckt ab und lässt einem am Ende hoffen.

Schreibstil & Cover

Der Schreibstil ist nicht einfach – man sollte durchaus Geduld haben und sich auf den Report artigen Stiel einlassen. Der rote Faden ist nur schwer fassbar, doch nach den ersten 100 Seiten ist man voll mit dabei. Denn das durchhalten lohnt sich auf jeden Fall. Das Cover ist sehr passend gewählt und weckt auf jeden Fall das Interesse. 

Fazit

Ein sehr spannendes und anregendes Buch. Es war interessant den Report zu lesen und sich selbst darüber Gedanken zu machen. Auch wenn die Story sehr erschreckend ist, sollte man nicht vergessen, dass Teile davon auch heute noch – leider – für manche Frauen Realität sind. Vielleicht ist es ein Buch, das wieder einmal aufrüttelt und einige Denkarten verändern kann. 

Bewertung
Plot ♥♥♥♥♥ (5/5)
Schreibstil ♥♥♥ (3/5)
Botschaft ♥♥♥♥ (4/5)
Lesevergnügen ♥♥♥♥ (4/5)


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Der Report der Magd| Roman |416 Seiten
Piper Verlag| Cover | ISBN: 978-3-492-31116-8
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