Eine Weihnachtsgeschichte // Teil 5

Ein grosser silbriger Wolf hat sich der Lichtung genährt, obwohl Noelia die Gefahr sofort spüren konnten kam sie nicht umher den Wolf zu bewundern. Seine Statur war Muskulös, sein Nacken angespannt und sein wunderschönes silbernes Fell glitzerte durch die vielen Eiskristalle die sich dort verfingen haben. „Nur ruhig Jessica!“ rief sie ihrer Freundin zu, dies lenkte die Aufmerksamkeit des Wolfes sofort auf sie. Carl tat sofort zwei Schritte vor und stellte sich vor Noelia auf, doch der Wolf hatte es nicht auf die Kinder abgesehen wie ein Blitz schoss er nach vorne und schnappte sich Jonas Rucksack aus dem eine grosse Wurst heraushing. Jona war zu entsetzt, um sich darüber zu beschweren, der Wolf zerriss seinen Rucksack, holte sich die Wurst heraus und rannte zurück in Richtung Wald. Jona blieb der Mund offen stehen „Wenn, ich das meiner Mutter erzähle wird sie mir das nie glauben! Die denkt sich nachher sicher, ich hätte die Wurst selbst gegessen!“ darauf müssen alle laut loslachen und die angespannte Stimmung ist sofort wieder weg.

Verunsichert blickt Noelia zu Carl, der immer noch vor ihr steht und sie beschützt. „Danke“, sagt sie etwas schüchtern, doch Carl tut das ganze nur mit einem nicken ab, dreht sich um und läuft wieder zum Baumstamm zurück.

Als es langsam anfängt dunkel zu werden machen sich die vier wieder auf den Weg nach Hause. Jona und Melanie verabschieden sich und laufen zurück ins Dorf. Gemeinsam bringen Noelia und Carl Jessica nach Hause und obwohl Carl ebenfalls im Dorf wohnt bietet er Noelia an sie nach Hause zu begleiten. Noelia ist zwar froh darüber, dass sie nicht alleine durch den mittlerweile dunkeln Wald muss, doch das flattern in ihrem Bauch kann sie noch nicht richtig zuordnen. Bevor Noelia geht flüstert ihr Jessica noch „Carl ist gar nicht so übel wie ich gedacht habe, ganz im Gegenteil er ist eigentlich richtig Nett!“. Das lässt Noelia darüber nachdenken, wie oft sie ihn vorher ignoriert hatte ohne jeglichen Grund. Prompt hat sie ein schlechtes Gewissen deswegen.

Schweigend laufen die beiden den Waldweg entlang, Carl zieht Noelias Schlitten hinter sich und ist so schweigsam wie immer. „Wirst du Morgen mit deinem Papa Weihnachten feiern?“ unterbricht sie die Stille und bereut es sofort von Carls Vater begonnen zu haben. „Mein Vater feiert Weihnachten nicht, er verbringt diesen Abend immer bei Davidson“ Noelia schluckt trocken, Davidson ist eine Bar im Dorf. Sofort kommt Noelia eine Idee „Willst du nicht zu uns kommen? Meine Mama kocht immer zu viel!“, doch leider schüttelt Carl den Kopf „Danke aber lieber nicht.“ Schweigend laufen die beiden weiter als ein seltsames Geräusch durch die Stille zu hören ist. „Was ist das?“ flüstert Noelia doch Carl hat bereits den Waldweg verlassen und nähert sich dem Geräusch. Noelia wühlt in ihrem Rucksack und holt eine kleine Taschenlampe hervor. Sofort rennt sie Carl hinterher und ist entsetzt was sich ihr offenbart. Ein kleines Reh steckt mit dem Fuss in einer Falle fest und winselt leise vor sich hin. Carl hockt beim Reh und streicht diesem gerade über den Kopf, als er sie erblickt. „Das waren irgendwelche Jäger, die dürfen doch hier nicht jagen oder?“ sofort schüttelt Noelia den Kopf „Nein aber mein Papa hat in letzter Zeit viele solcher Fallen entschärft!“, Carl blickt in Richtung Falle „Diese hier hat er leider nicht gefunden.“

„Wir müssen ihm helfen!“ doch als Noelia der Falle näher kommt fängt das Reh unruhig an auszutreten. „Das geht so nicht, komm her Noelia, halt seinen Kopf fest.“ Sofort kniet sich Noelia in den Schnee und legt den Kopf vom Reh in ihren Schoss, sie versucht es zu beruhigen „Das wird schon wieder! Nur langsam weiter atmen!“ In der Zwischenzeit versucht Carl die Falle zu öffnen, dabei fällt Noelia auf wie blau seine Augen sind und wie liebevoll er sich um das Reh kümmert. So kennt sie ihn gar nicht. Beim dritten Versuch gelingt es Carl die Falle so weit zu öffnen, dass das Reh seinen Fuss heraus ziehen kann. Doch als es versucht aufzutreten knickt es sofort wieder ein und fängt erneut an zu wimmern. „Wir müssen es zu meinem Papa bringen“ sagt Noelia und rennt zurück auf den Waldweg „Wo gehst du den hin?“ ruft ihr Carl hinterher, doch sie kommt bereits zurück und zieht ihren Schlitten hinter her. Sofort wird Carl klar was sie vor hat und gemeinsam hieven sie das Reh vorsichtig auf den Schlitten. Mit vereinten Kräften ziehen Sie das Reh bis zu ihrem Haus hoch und als sie Jelena aus dem Fenster heraus sieht öffnet sie sofort die Tür und ruft nach Daniel.

„Wie habt ihr zwei das bloss gemacht?“ fragt er erstaunt als er das Reh ins Wohnzimmer schleppt. „Carl hat die Falle geöffnet und gemeinsam haben wir es hier her gezogen, wir konnten es doch nicht einfach im Wald lassen“ „Natürlich nicht! Ich bin mächtig stolz auf euch!“ antwortet Daniel und Carl läuft dabei etwas rot an. Daniel blickt ihn an und sagt „Vielen Dank hast du unsere Tochter nach Hause begleitet, alleine hätte sie dies ganz bestimmt nicht geschafft!“ Carl wird noch röter „Danke, das habe ich gerne gemacht“. Daniel bietet an Carl zurück ins Dorf zu fahren an der Tür will sich Noelia von ihm verabschieden, als er leise sagt „Darf ich immer noch zum Weihnachtsessen kommen?“ Noelia lächelt, dies könnte der Beginn einer grossartigen Freundschaft werden.

ENDE


Meine Lieben, ich wünsche euch Morgen wunderschöne Festtage und vor allem Liebe, Glück und Gesundheit. Mit dieser Geschichte wollte ich Werte wie; Familie, Freundschaft, Liebe, Mut, Grosszügigkeit und Nächstenliebe wieder etwas mehr in den Fodergrund bringen. Wie gut mir das gelungen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, doch ich hoffe, dass jeder etwas Glück in diesen kalten Wintertagen für sich findet und dieses mit jemandem teilt.

Passt auf euch auf.
E.

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Eine Weihnachtsgeschichte // Teil 4

Die beiden Mädchen sahen sich mit grossen Augen an und liefen dem Geräusch hinterher. Auf einem Stuhl, in sich zusammen gesunken sass ein kleines Mädchen und weinte leise vor sich hin. „Hallo, was ist den passiert?“ versuchte es Noelia leise, doch das kleine Mädchen erschrak trotzdem. Sie schniefte einmal hörbar und zeigte auf den Boden, dort lag in drei Stücken eine kleine lila Kerze und das Mädchen fing wieder an zu weinen. „Ist dir deine Kerze kaputt gegangen?“, fragt Noelia und sucht in ihrer Tasche nach ihrer eigenen. Das kleine Mädchen nickt und sagt „Ich wollte sie meiner Mama schenken und jetzt habe ich kein Geld mehr, um ihr eine neue zu machen.“ Noelia lächelte als sie in ihrer Tasche ihre Kerze spürte und diese herauszog „Ich schenke dir meine, wenn du möchtest?“ sofort hörte das Mädchen auf zu weinen und ihre Augen fingen an zu leuchten „Das würdest du für mich tun?“ fragte sie etwas schüchtern „Aber klar doch!“ antwortet Noelia und lächelt die kleine an. „Danke viel viel mal!“ das Mädchen stand auf und umarmte Noelia ganz fest, nahm sich die Kerze und verschwand wieder um die Ecke. Noelia war nicht traurig, dass sie nun keine eigene Kerze mehr hatte, ganz im Gegenteil. Sie fühlte sich glücklicher, da sie jemand anderem eine Freude bereitet hatte und darum ging es ja an Weihnachten oder?

Gemeinsam gingen die beiden Mädchen weiter ihres Weges, als sie hinter sich eine Stimme ihre Namen rufen hörte „Hey, wartet auf uns!“ Melanie, Jona und Carl kamen auf die beiden zugelaufen hinter sich zogen sie ebenfalls zwei Schlitten mit. „Hallo! Melanie hat uns erzählt, dass ihr mit dem Schlitten unterwegs seid, können wir mitkommen?“ fragt Jona und grinst dabei von einem Ohr zum anderen. „Wenn es sein muss!“ antwortet Jessica und läuft dabei etwas rot an. Noelia bemerkt das und plötzlich wird ihr einiges klarer. Deshalb kamen immer wieder die Sticheleien von ihr, nicht etwa weil sie es doof fand, sondern weil sie wollte dass Jona seine Aufmerksamkeit ihr schenkte.

Zu viert gingen sie den Hügel hinauf und alberten ein wenig herum, nur Carl sagte kein Wort und blickte nur zu Boden. Oben angekommen fing Jona an die beiden mit Schneebällen zu bewerfen woraufhin die Mädchen in ein albernes Kichern verfielen und ebenfalls zurückschossen. Nur Carl setzte sich etwas weiter weg auf einen Baumstamm und sah dem ganzen Treiben nur zu. Noelia fiel das auf und langsam lief sie auf ihn zu. „Willst du nicht mitmachen?“ fragte sie ihn schüchtern, er schüttelte den Kopf „Nein, ich mag Schnee nicht wirklich“ etwas verunsichert sah er Noelia dabei an, denn diese verzog das Gesicht, als hätte er sie persönlich beleidigt. „Habe ich etwas Falsches gesagt?“ fragt er sie sofort und sie antwortet barsch „Wie kann man Schnee nicht mögen!?“, als er merkt dass sie nur gespielt entsetzt ist grinst er und antwortet mit „Welcher normale Mensch mag denn schon die Kälte, wenn man den Sommer haben kann?“ Noelia setzt sich neben ihn „Ich mag den Winter am aller liebsten auch wenn er kalt ist, es ist einfach die beste Zeit des Jahres. Man kann so viele tolle Dinge draussen machen und Abends mit den Eltern am Kamin sitzen und Kakao trinken und erst das Weihnachtsessen!“ Carl blickt sie etwas traurig an „Wie du meinst.“ Erst da fällt ihr auf wie rücksichtslos ihre Aussage war. Carls Mutter starb vor drei Jahren kurz vor Heiligabend und sein Vater war nie wirklich fürsorglich, natürlich war Weihnachten nicht so eine fröhliche Zeit für ihn wie für sie. Sie biss sich auf die Zunge und wollte sich gerade entschuldigen als Jessica aufschrie.

(Fortsetzung folgt)

Eine Weihnachtsgeschichte // Teil 3

Jedes Jahr kurz vor Weihnachten gibt es im Dorf einen grossen Markt. Leute von überallher kommen mit ihren Ständen und verkaufen von selbstgeschnitzten Holzfiguren, zu Punch und leckeren Bretzeln alles was das Herz begehrt. Es gibt Stände mit Taschen, mit Kleidern und ja sogar einen Wahrsager Stand. Doch dass alles interessiert die beiden Mädchen nicht, denn heute wollen Sie zum grossen Kerzenstand, der sich beinahe in der Dorfmitte befindet. Der Kerzenstand war letztes Jahr zum ersten Mal im Dorf. Er war letztes Jahr die Attraktion schlechthin und auch dieses Jahr war er gut besucht. Tom, ein dickbäuchiger und bärtiger Mann, stand hinter der Kasse. Im gehörte der Stand und ein grosses Lächeln breitete sich gerade über seinem Gesicht aus, als er die beiden Mädchen auf ihn zukommen sah. „Oh, welch eine Freude! Lasst euch mal ansehen, ja unglaublich, wie viel ihr seit letztem Jahr schon gewachsen seid!“, sein brummiges Lachen übertönte für einen kurzen Moment den ganzen Lärm am Stand. Auch Noelia und Jessica mussten grinsen und freuten sich genau so sehr Tom wiederzusehen.

Letztes Jahr als Tom gerade neu mit seinem Stand im Dorf ankam, beäugten ihn die Dorfbewohner nur und keiner wollte bei ihm versuchen ein paar Kerzen zu ziehen. Sein Stand war gross mit sieben dampfenden Kesseln und daneben waren grosse Stangen aufgebaut. Niemand wusste so recht, was man bei ihm kaufen sollte und der Stand Name „Zauberkerzen von Tom“ war da auch nicht gerade hilfreich. Seine ersten Kundinnen waren somit die beiden Mädchen, die mit Jelena im Dorf für ein paar Einkäufe unterwegs waren. Sie näherten sich behutsam seinem Stand und Noelia fragte den grossen Tom was man bei ihm den kaufen könne. „Oh, bei mir kannst du nicht einfach so etwas kaufen junges Fräulein, du musst dir deine Zauberkerze erst selbst herstellen!“, dass begeisterte die kleine Noelia natürlich sofort und schnell liess sie sich zeigen, wie man eine Kerze richtig zieht. Jessica tat es ihr natürlich nach und so verbrachten die beiden Mädchen den ganzen Nachmittag bei Tom und waren fasziniert davon, wie ihre Kerzen immer grösser und grösser wurden! Durch das Lachen und quietschen der beiden Mädchen angezogen, kamen schnell weitere Menschen dazu und in kürzester Zeit war der Stand von Tom zum bersten voll!

„Na wollt ihr euren Kerzenrekord vom letzten Jahr wieder brechen?“, fragte sie Tom gerade. „Auf jeden Fall, aber wir haben dir etwas mitgebracht!“, Noelia holt eine kleine selbstgeschnitzte Kerze aus ihrem Rucksack und überreicht sie dem bärtigen Standbesitzer. Mit schnörkeliger Schrift ist „Tom“ in der Kerze hineingeschnitzt und genau dieser wischt sich verstohlen eine Träne aus den Augen. „Oh, diese Kerze ist wunderschön! Vielen Dank, ich werde sie immer bei mir tragen“, Tom wuschelt Noelia durch die Haare und schon jagt er Sie zu einem grossen Kessel mit Wachs. „Dieser Wachs hier, ist ganz besonders, er glitzert nämlich genau so stark wie der Schnee!“ mit grossen Augen blicken die beiden in den Kessel in die dunkle Wachsflüssigkeit und sind ganz fasziniert vom Geruch und Anblick. Den halben Tag verbringen die beiden Mädchen damit, sich eine Kerze zu ziehen und freuen sich am Ende über ihre kleinen Zauberkerzen.

Als sie sich von Tom verabschiedet haben, schlendern sie, angezogen vom leckeren Duft, zu Madame Cécile. Diese etwas ältere Dame, verlässt ihr Haus nie ohne einen Hut und nicht ohne sich vorher mit dem neusten Eau de Parfum besprüht zu haben. In ihren jungen Jahren lebte Cécile in Paris bei einem Künstler. Die Leute im Dorf munkeln das sie die Muse von einem Weltberühmten Maler war aber so wirklich wissen tat es niemand. Irgendwann war ihr das Leben in Paris aber wohl zu überdrüssig und so zog sie wieder zurück in ihr Dorf, eröffnete dort eine Bäckerei und ging in ihrem Job regelrecht auf. Nur dem Stil aus Paris blieb sie treu, ansonsten war sie eine wandelnde Seele. Jedes Jahr zog sie in ein anderes Dorf, in eine andere Stadt und eröffnete einen „Madame Cécile’s Leckereien“ Laden nach dem anderen. Noelia und Jessica liebten die kleinen Küchlein von Madame Cécile und wann immer sie in der Stadt war, holten sie sich ein paar Leckereien bei ihr. Gerade sprach Madame Cécile mit dem Postboten Rick und schimpfte darüber, dass er ihr immer wieder Werbung in den Briefkasten lege. „Sie wissen doch junger Mann, ich kann dieses Papier doch nicht jedes Mal zusammenbinden und dann zur Papiersammelstelle tragen, also hören Sie auf damit mir ständig wieder Sonderangebote in den Briefkasten zu schmeissen!“ Rot im Gesicht nickte Rick nur und verschwand schnell in der Menge. „Tztztz, diese jungen Leute heutzutage… ooh wenn haben wir denn da! Wenn das nicht meine beiden Eisprinzessinnen sind, na habt ihr Hunger ihr lieben Herzchen?“ Diesmal trug Madame Cécile einen grossen Lila farbigen Hut, der ihr weit ins Gesicht lugte. Dazu hatte sie einen passenden Lila Mantel und hohe Winterstiefel an. „Guten Tag Madame Cécile wir hätten unglaublich gerne ein paar Spinatpasteten, wenn sie noch welche da haben.“ „Aber natürlich meine Lieben, setzt euch, setzt euch!“ Sie zeigte auf die kleinen Tische neben ihrem Stand, die gemütlich mit Fell und Decken bestückt waren. Bereits nach wenigen Minuten kam Madame Cécile mit zwei kleinen Tellern auf denen leckere Pasteten dampften. Die beiden Mädchen assen gerade ihre Pasteten zu Ende als Jessica sich beinahe verschluckte. Nur ein paar Meter weiter kam ihnen ein Mädchen auf einem Einrad entgegen. Kurz vor ihnen blieb es stehen und grinste von einem Ohr zum anderen „Da steckt ihr zwei also!“ Jessica versuchte zu grinsen doch es gelang ihr nicht wirklich.

Das hochgewachsene Mädchen auf dem Einrad war Melanie und ging mit Noelia und Jessica zur Schule, doch wirklich gut tat ihnen die Freundschaft zu ihr nicht, denn Melanie bedeutete auch automatisch; Schwierigkeiten. Kurz vor den Ferien brockte sie allen dreien sogar Nachsitzen auf und das nur weil, sie Jessica Lösungen vom letzten Deutschtest unterjubelte und dabei nicht gerade unauffällig war. Und die Woche davor war sie so tollpatschig, dass sie ihr ganzes Essenstablett über Noelias Schuluniform fallen liess. Doch sie war dabei immer so freundlich, dass ihr die beiden nie lange böse sein konnten. Was sich immer wieder als Fehler erwies.

„Wollt ihr mit zu Carl kommen und Videospiele spielen?“, fragt Melanie als Jessica auch schon aufspringt und antwortet „Nein! Ich meine danke fürs Fragen aber Elia und ich wollten gerade gehen!“ dabei blickte sie Noelia fordernd an. „Oh, ja tut mir Leid Mel, vielleicht ein anderes Mal.“, etwas gekränkt nickte Melanie, verabschiedete sich und fuhr mit ihrem Einrad davon. „Phuu das war nochmal knapp“, theatralisch wischt sich Jessica den Schweiss von der Stirn und dabei muss sie sich das Lachen verkneifen. „Meine Mama hätte uns ausgeschimpft, wenn sie erfahren hätte, das wir bei Carl sind.“ Noelia nickt und erinnert sich daran was über Carl erzählt wird. Er lebt bei seinem Vater, ist ganze zwei Jahre älter als sie und pafft immer eine Zigarette, wenn sie ihn sehen. Er wirkt schon sehr mysteriös und irgendwie unheimlich. Doch eigentlich mag ihn Noelia, einmal war sie vom Sport suspendiert und hielt sich draussen im Schulhof auf, als Carl ihr über den Weg lief. Sie sprachen lange miteinander über dies und jenes und Noelia war sofort von ihm begeistert. Doch das behielt sie für sich, sie wollte nicht dass Jessica etwas Falsches von ihr dachte. Die beiden Mädchen machten sich auf den Weg Richtung Wald, schliesslich wollten sie noch ein wenig Schlittenfahren. Gerade bogen sie um eine Ecke, als sie jemanden leise weinen hörten.

(Fortsetzung folgt)

Eine Weihnachtsgeschichte // Teil 2

Daniel brachte Jelena wie versprochen sicher ins Dorf, dort wurde sie zum Arzt gebracht, der sich sofort um sie kümmerte. So erblickte um 23:23 Uhr die kleine Noelia das Licht der Welt und machte ihre Mama zum glücklichsten Menschen der Welt. Daniel, der Jelena seit er sie getroffen hatte nicht von ihrer Seite wich, hielt die kleine Noelia im Arm und versprach ihr sie und Jelena zu beschützen.

Aus diesem Versprechen wurden mittlerweile zehn glückliche Ehejahre und Noelia akzeptierte Daniel wie ihren Vater. Wenn ihre Mutter der kleinen Noelia, die Geschichte ihrer Geburt erzählte, schmückte sie diese immer so aus, dass die Waldtiere alle mit ins Dorf kamen, um bei der Geburt von ihr dabei zu sein. Noelia liebte diesen Gedanken und fühlte sich so mit den Tieren und dem Winter sehr verbunden. Die kleine Noelia wuchs in der Nähe des Waldes, indem Sie beinahe zur Welt kam auf. Sie besuchte die nahe gelegene Dorfschule, hatte eine Handvoll gute Freunde und liebte es den Sommer wie auch den Winter im Wald zu verbringen. Dort spielte sie mit ihrer Freundin Jessica Indianermädchen oder sie machten sich auf die Suche nach gefährlichen Tieren, die sie erforschen konnten.

Letzte Nacht fiel der erste Schnee und umhüllte den Wald mit frischem Puderschnee, der mit der frühen Morgensonne um die Wette glitzerte. Noelia stand früh auf, stolperte halb verschlafen in die Küche, doch sobald sie den Schnee auf dem Fenstersims sah, war sie auch schon putz munter! „Mama, ich werde Jessica abholen, darf ich bitte den Schlitten nehmen?“, Jelena lächelte, sie wusste wie sehr ihre Tochter den Winter liebte.

Noch bevor Noelia ihre Jacke richtig zumachen konnte stand sie auch schon draussen vor der Garage wo sie Daniel vollplapperte, was sie heute alles tun möchte. „Und dann werden wir noch einen riesigen Schneemann bauen, einen viel grösseren als den vom letzten Jahr!“ „Oh, du willst einen noch grösseren, als Mister Snowbig bauen?“, fragte sie Daniel gerade grinsend. „Ja auf jeden Fall und diesmal wird er eine Frau sein!“ darauf musste Daniel nun wirklich lachen und übergab ihr den Schlitten.

So schnell wie ihr Schlitten fahren konnte holte Noelia Jessica ab und nun stampften sie gemeinsam in Richtung Wald. Hinter sich zog sie ihren roten Schlitten, den sie letztes Jahr mit Daniel zusammen gebaut hatte. Sie liebt ihren Schlitten vor allem, weil Daniel ihn mit ihrem Namen beschriftet hat. Sie weiss noch, wie er sie eines Morgens weckte und noch bevor sie richtig wach war fragte „Willst du einen Schlitten bauen?“, darauf hin stand sie sofort auf und gemeinsam mit Daniel gingen sie in den Wald um einen Baum zu fällen. Daniel war Förster und für den Dorfwald verantwortlich, seid er klein war wuchs er beinahe in diesem Wald auf, von seinem Vater hatte er alles nötige gelernt und war richtig glücklich über die Arbeit im Wald. Schliesslich hatte er so Jelena kennen gelernt und damit auch Noelia und sein grösstes Glück gefunden. „Dieser Baum hier, ist richtig gut kleines, den nehmen wir!“ und schon erhob er seine Axt. Noelia hüpfte von einem Bein zum anderen, so aufgeregt war sie. Gemeinsam, Noelia hockte oben auf dem Stamm, schoben Sie den Baum auf einem Schlitten durch den Wald zu ihrem Haus. Dort wartete auch schon Jelena mit heissem Kakao und trank diesen gemeinsam mit Noelia, als sie Daniel dabei zusahen, wie er Bretter aus dem Baum sägte. Den ganzen Tag waren er und Noelia draussen, sägten, schleiften und hämmerten. Am Abend zündete Daniel an grosses Lagerfeuer an und malte ihren Schlitten noch Rot an. Mit grossen weissen Buchstaben schrieb er noch „Noelia“ auf den hinteren Teil des Schlittens und schon war er perfekt! Den ganzen Winter über ist Noelia damit schlitten gefahren und auch dieses Jahr, liebte sie es auf dem Schlitten zu sitzen und sich an diesen Tag zurück zu erinnern.

„Der fiese Jona ist wirklich fies, stell dir vor, er hat gestern einfach so mein Mathebuch zu Boden geworfen!“, schimpfte Noelia gerade „Der steht doch voll auf dich iiih!“, erwiderte Jessica gerade woraufhin Noelia wieder das Gesicht verzog. „Ach was, der ist einfach noch super kindisch!“ Lachend gingen die beiden Mädchen auf den grossen Hügel, gemeinsam setzten sie sich auf den Schlitten und fuhren hinunter in Richtung Dorf. Genau so wie der Wald, war auch das Dorf im Winter wie verzaubert. Die vielen Häuser sahen viel hübscher aus, und alles war so bunt geschmückt, ja selbst die Leute sahen im Winter festlicher aus. Noelia stellte ihren Schlitten beim Brunnen ab und zog ihren Rucksack enger. Ihre Mutter gab ihr immer etwas Taschengeld mit, damit sie sich im Dorf etwas zu essen kaufen konnten. „Heute ist der Markt im Dorf Elia! Wir müssen unbedingt beim Kerzenstand vorbeischauen“, ruft ihr Jessica zu als sie auch schon ihre Mütze richtete und ins Trubel hinein läuft. „Warte auf mich!“, ruft Noelia ihr nach und begibt sich ebenfalls ins Gewusel.

(Fortsetzung folgt)

Eine Weihnachtsgeschichte // Teil 1

Es war einmal ein kleines Mädchen, das liebte den Frühling genau so sehr wie den Herbst und den Sommer. Doch den Winter mochte es am aller liebsten. Kein Wunder, denn es war ja auch ein Winterwunderkind. Vor genau 11 Jahren am 23. Dezember herrschte draussen ein gewaltiger Schneesturm. Die Mutter unseres Winterwunderkinds war selbst noch ein Kind. Knappe 17 Jahre alt war Jelena als sie sich durch den Schneesturm kämpfte, um in die nahe gelegene Gaststube zu gelangen. Doch dies war schwieriger als gedacht, denn selbst bei normalen Wetterbedingungen, war dies ein Marsch von eineinhalb Stunden. Der Schneesturm war unerbittlich und so war Jelena bereits eine halbe Stunde unterwegs, ohne zu wissen, ob sie in die richtige Richtung läuft. Ihre dicke Winterjacke, hatte ihre besten Tage schon gesehen und gab nur noch bedingt warm. Sie legte eine Hand auf ihren Bauch und flüsterte gegen den Wind an „Komm schon kleines, wir schaffen das!“

Zu ihrer linken Seite erhoben sich grosse Tannen voller Schnee in den Himmel empor, auch an ihnen ging der Schneesturm nicht einfach so vorbei. Die Äste krümmten sich und der Wind zischte unheimlich zwischen den einzelnen Zweigen. Da kam Jelena in den Sinn, im Wald Schutz zu suchen. Nur so lange bis sich der Schneesturm etwas legt, denkt sie noch ihren Gedanken halb zu Ende, als sie auch schon von einer Wehe zu Boden gerissen wird. Nein, nein! Nur nicht jetzt! Jelena steht mühsam wieder auf und schleppt sich langsam in Richtung Wald weiter. Ihre Schwangerschaft war auf keinen Fall geplant aber von der ersten Sekunde an, in der Jelena bemerkte, dass sie schwanger war, wollte sie dieses Kind. Ihr damaliger Freund machte sich jedoch aus dem Staub und hat sich seit jeher nicht mehr gemeldet. Doch Jelena war das egal, sie wusste von Anfang an, dass sie alles für dieses Kind tun würde. Doch leider war auch ihre Familie nicht begeistert von ihrer plötzlichen Schwangerschaft, sie war doch noch so jung! Jelena liess sich jedoch von niemandem unterkriegen, zog aus und lebte draussen auf dem Land, in der Nähe einer Familie. Dort erhielt sie Arbeit als Kinder Nanny und kümmerte sich, um die zwei kleinen Buben, Lory und Sami.

Doch ausgerechnet heute, war die Familie verreist und Jelena war alleine zurück geblieben. Als dann auch noch der Ofen im Haus ausfiel, beschloss sie zur Gaststube zu marschieren, um über Nacht ein warmes Zimmer zu haben. Doch dies erwies sich als grosser Fehler. Zusammengekrümmt lag sie nun unter einer grossen Tanne, die sie etwas vor dem Wind schützte. Tränen liefen ihr übers Gesicht und sie wünschte sich, dass nur alles schnell und gut zu Ende ginge! Vor lauter Schmerzen, bemerkte sich nicht, wie sich ihr eine kleine Hirschfamilie näherte. Ihre knopfartigen schwarzen Augen musterten sie aufmerksam. Plötzlich kamen weitere Tiere angeschlichen und wunderten sich über die junge Menschengestalt, die am späten Winterabend ihren Wald aufsuchte. Jelena versuchte langsam ein und auszuatmen, doch sie konnte sich nicht vorstellen, wie sie dies alleine schaffen sollte. Der Hirsch, war nicht ein einfacher Hirsch, er war sehr aufmerksam und merkte schnell, dass die Situation brenzlig wurde. Plötzlich fing er an mit den Hufen zu stampfen, nahm Anlauf und verschwand in den Wald. Durch den Lärm abgelenkt bemerkte Jelena, dass sie von lauter Tieren umgeben war. In der Nähe von ihr schauten sie Hasen ängstlich an, weiter hinten stand ein Lux, der sie aufmerksam beobachte und ein kleines Reh drückte sich gerade etwas mehr an seine Mutter.

Trotz der Schmerzen musste Jelena lächeln. Plötzlich fühlte sie sich nicht mehr allein und wusste, dass sie es schaffen konnte! „Sie nur kleines, wir haben Besuch gekriegt – du wirst hier erwartet“, flüstert sie zu ihrem kleinen Baby, als auch schon die nächste Wehe einsetzt. Jelena war so konzentriert aufs ein und ausatmen, dass sie den jungen Mann, der gerade durch den Wald angaloppiert kam erst bemerkte, als dieser von seinem Pferd absprang und sich ihr langsam näherte. „Wer sind Sie?“, schreit sie ihn beinahe an, mehr voller Schmerzen als vor Schreck. „Psst… ich heisse Daniel und ich möchte Ihnen helfen, denken Sie, dass Sie aufstehen können?“ Jelena nickt nur, beisst sich auf die Lippen und nimmt die ihr angebotene Hand. Mühsam zieht sie sich hoch, als der junge Mann sie auch schon hochhebt und aufs Pferd hievt. „Ich bringe Sie ins Dorf, halten Sie sich bitte nur gut fest!“

(Fortsetzung folgt)