Was ihr nicht seht von Nuala Ellwood #Rezension

Was ihr nicht seht| Psychothriller|  416 Seiten
Goldmann Verlag | Cover | ISBN: 978-3-442-20548-6
gelesen vom 14.04. bis 25.04.2018
Vielen Dank an das Bloggerportal und
den Verlag für das Rezensionsexemplar!


Klappentext

wasihrnichtseht

Kate ist eine mutige Frau, die als Kriegsreporterin kein Risiko scheut. Ihre Vergangenheit an der südenglischen Küste hat sie lange hinter sich gelassen. Erst als ihre Mutter stirbt, kehrt sie zurück nach Herne Bay, wo ihre Schwester Sally noch immer lebt. Aber Kate spürt vom ersten Tag an, dass die Heimkehr unter keinem guten Stern steht. Sie hat furchtbare Albträume und hört Stimmen, die ihr keine Ruhe lassen. Und so glaubt ihr auch niemand, als sie meint, die Schreie eines Jungen aus dem Nachbargarten zu hören. Doch Kate will der Sache auf den Grund gehen – nicht ahnend, dass sie und ihre Schwester dadurch in tödliche Gefahr geraten … (Quelle: Goldmann Verlag)


Zusammengefasst

Eine Geschichte die so aktuell wie auch erschreckend ist. Kate ist Kriegsreporterin und unterwegs in Syrien und anderen Kriegsländern. Bei ihren Reportagen erlebt sie viel Grausames und kann dieses nur schwer wieder von sich abschütteln. Denn auch als sie zurück in ihre Heimat reist, ist der Krieg ein ständiger Begleiter. Sie hört Stimmen, sieht Dinge, die nicht wahr sind und kommt nur schwer in den Alltag zurück. Ihre Familie ist zerrüttet und ihre Kindheit war alles andere als schön. Doch Kate ist stark und lässt sich so schnell nicht klein kriegen.

Darüber Gedanken gemacht

Das Thema des Buches ist wirklich sehr schwierig und obwohl man sich bewusst ist, das der Krieg real ist, verdrängt man diese Tatsache im Alltag doch sehr oft. Besonders tragisch ist der Gedanke, dass besonders Kinder unter dem Krieg leiden und viele gar nicht wirklich verstehen wieso dies alles geschieht.

Wir ärgern uns über banale Dinge, wie zum Beispiel, dass zu spät kommen der Bahn oder über ein paar nervige E-Mails und in anderen teilen der Welt, versteckt sich ein Kind unter einem Tisch, weil die Erde bombardiert wird und ein anderes weint seinen Beinen nach. Für mich ist diese Vorstellung unerträglich und deshalb war dies für mich ein sehr erschütterndes Buch.

Gefiel mir sehr

Die Tatsache, dass das Buch im Präsens geschrieben wurde fand ich durchaus gelungen, denn so blieb die Spannung durchweg erhalten. Auch die Art wie sich die Kapitel untereinander abwechselten fand ich sehr passend und konnte so gut mehrere Stunden am Stück lesen.

Gefiel mir nicht

Das Ende war mir zu unvollständig und ich hätte gerne ein paar Erklärungen mehr gehabt.

Schreibstil & Cover

Ich fand den Schreibstil flüssig und spannend. Mir gefiel die Ich-Perspektive sehr gut, denn so war man nah an der Protagonistin dran. Das Cover gefällt mir sehr gut und es sieht in echt viel besser aus!

Fazit

Ein spannender Thriller mit einem schweren Thema. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für zwischendurch.

Bewertung
Buchlänge ♥♥♥♥♥ (5/5)
Schreibstil ♥♥♥♥♥ (5/5)
Botschaft ♥♥♥ (3/5)
Lesevergnügen ♥♥♥♥ (4/5)


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Weitere Meinungen:
Bei der lieben Gabriela vom buchperlenblog

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Ich fühle so tief ich kann von Liane Cornelius #Rezension

Ich fühle so tief ich kann| Autobiographie|  396 Seiten
BoD | Cover |ISBN13: 9783741275197
gelesen vom 05.04. bis 19.04.2018
Vielen Dank an Liane Cornelius
für das Rezensionsexemplar!


Klappentextichfühlesotiefichkann

Lilly, emotional schwer verwundet, sucht verzweifelt ihren Platz im Leben. Grauenvolle Erlebnisse in der Kindheit werfen ihre langen Schatten voraus. Mit viel Gespür für psychologische Zusammenhänge gelingt es ihr jedoch, langsam Licht in das Dunkel ihrer Seele zu bringen. Der Weg ist schmerzhaft, der Weg ist lang. Panik-Attacken, Angstzustände, Essstörungen – kein Thema ist vor ihr sicher. Doch nun ist ihr Körper am Ende. Sie wird mehrfach operiert. Da lernt sie Andreas kennen. Physiotherapeut. Gutaussehend, sportlich, charismatisch. Von seinen ‚besonderen Fähigkeiten‘ ahnt sie nichts. Geschickt stellt er die Weichen. Lilly verliebt sich, geht ihm ins Netz. Das Spiel kann beginnen. Aber sein Plan geht nicht auf. Ausgerechnet er, der tiefe Gefühle ablehnt, der in einer kalten Welt lebt und die Menschen um sich herum durch Sex und Manipulationen kontrolliert –  ausgerechnet er wird nun unausweichlich mit seinen Emotionen konfrontiert. Zwei Menschen am Rande ihres Traumas. Ein verzweifelter Kampf beginnt…


Darüber Gedanken gemacht

Man erfährt bereits am Anfang, dass Liane einen Unfall hatte, der dazu führte, dass sie nun die Hilfe eines Physiotherapeuten benötigt. Andreas. Doch was sich zwischen den beiden entwickelt, damit hätte ich nicht gerechnet. Beide verbindet eine schwere Vergangenheit, mit vielen Tiefs.

Trotz des Altersunterschied findet Liane eine Verbindung zu ihm und fühlt schnell mehr, als sie sich Anfangs noch zugestehen möchte.

Wie sich die Beziehung der beiden entwickelt fand ich wirklich faszinierend und wollte unbedingt wissen, wie es mit ihnen weiter geht und ob es vielleicht doch eine Zukunft für sie gibt.

„Mein Leben ist ein Fluss
und ich bim mitten drin.
Die Strömung ist immer noch reissend stark,
dich ich habe gelernt,
zu schwimmen.
Ich muss das rettende Ufer nicht mehr erreichen,
fühle mich wohl, in dem klaren, warmen Wasser,
Und ich bin neugierig.
Neugierig darauf, zu sehen, wohin ich der Strom des Lebens
noch so treiben wird.“

Gefiel mir sehr

Trotz allem, hat Lilly nie den Mut verloren, war immer widerspenstig und konnte immer das Positive in allem Negativen für sich herausziehen. Diese Einstellung ist sehr lobenswert und gefiel mir wirklich sehr!

Gefiel mir nicht

Leider war mir das Buch teilweise zu düster und ich hatte ein schlechtes Gefühl beim Lesen, vor allem als man erfuhr, was bei Liane / Lilly in der Kindheit alles vorgefallen ist. Solche Eltern wünscht man sich niemandem!

Schreibstil & Cover

Der Schreibstil sprach mich leider nicht wirklich an und war mir teilweise zu verschachtelt. Die Sätze kamen mir oft wie Gedanken vor, die dann wirr wiedergegeben wurden und so viel es mir schwer der Geschichte zu folgen. Mir war der natürliche Lesefluss so etwas zu holprig. Das Cover ist farblich wundervoll gewählt, einzig die Schrift sagt mir persönlich nicht zu.

Fazit

Das Buch konnte mich von der Thematik her auf jeden Fall fesselnd, doch leider sagte mir der Schreibstil nicht zu. Auf der Homepage von Liane, könnt ihr übrigens durch das Lösen von ein paar Fragen ganz einfach herausfinden, ob das Buch zu euch passt!  Hier gelangt ihr zum Casting – diese Idee finde ich übrigens richtig toll und habe ich so noch nicht gesehen!

Bewertung
Buchlänge ♥♥♥♥ (4/5)
Schreibstil ♥♥ (2/5)
Botschaft ♥♥♥ (3/5)
Lesevergnügen ♥♥♥ (3/5)


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Der Angstfresser von Tanja Hanika #Rezension

Der Angstfresser| Horror|  203 Seiten
ISBN: 978-1985-232-167
gelesen vom 05.04. bis 14.04.2018
Vielen Dank an Tanja Hanika
für das Rezensionsexemplar!


Klappentext

derangstfresser

Angst, Blut und Schmerz. Chester Harris will mehr davon. Er ist Horrorautor und es stellt ihn nicht länger zufrieden, die Leser mit seinen Gruselgeschichten zu erschrecken. Daher lädt er zu einen Horrorabend ein, der seinen ahnungslosen Gästen alles abverlangt. Sie müssen ein Spiel um Leben und Tod überstehen, indem sie die eigenen Grenzen überschreiten. Angst, Blut und Schmerz stehen auf Chesters Speiseplan und er wird viel davon bekommen.
Warnung: Der Horrorroman enthält explizite Gewaltdarstellungen und abstossende Details.


Zusammengefasst

Chester Harris ist ein erfolgreicher Horrorautor er hat bereits einige Bücher veröffentlicht und liebt es seinen Lesern Angst und Schrecken einzujagen. Doch es läuft nicht mehr so gut wie noch zu Anfangs und er beschliesst mit Hilfe eines Teams ein Haus nach seinen Vorstellungen zu renovieren und dieses für einen Horrorabend herzurichten. Für diesen besonderen Abend lädt er eine Handvoll Menschen ein und noch ehe sie sich versehen, landen sie im Albtraum ihres Lebens.

Darüber Gedanken gemacht

Bevor ich das Buch las, grübelte ich über die Warnung des Buches nach und war mir sicher, dass mich diese abstossenden Details bestimmt nicht so abschrecken würden. Doch da hatte ich mich gewaltig getäuscht! Bereits im Prolog wurde mir beinahe übel und ich war geschockt und fasziniert zu gleich.

Es ist erstaunlich, wie viel man sich tatsächlich vorstellen kann und dies macht sich Tanja zu nutze und treibt den Leser so immer weiter an den Rand des Erträglichen. Ich empfehle euch das Buch nicht beim Frühstück zu lesen 😉 und am besten auch nicht im Bett, denn die einzelnen Szenen sind wirklich sehr detailliert und verursachten mir hin und wieder leichte Übelkeit.

Obwohl das buch nur knapp 200 Seiten umfasst, haben es genau diese ganz schön in Sich, hier trifft das Sprichwort „In der Kürze liegt die Würze“ wie die Faust aufs Auge. Man ist innerhalb von ein paar Seiten mitten in der Geschichte und kommt nur schwer wieder raus! Das Tempo ist rasant und brutal. Ich war doch ein wenig erleichtert, als ich die letzte Seite umgeblättert habe und den Angstfresser überlebt habe 😉

Gefiel mir sehr

Bis dato war mir nicht bewusst, wie sehr einen ein Buch mitreissen und beeinflussen kann. Die Geschichte ist durchaus spannend geschrieben und man fiebert von der ersten Seite an mit den „Opfern“ mit und wünscht sich doch sehr, dass dieses Buch gut enden möge. Doch der Weg dorthin ist erstaunlich hart und ich war selbst überrascht, wie oft ich das Buch zur Seite legen musste, um kurz durchzuatmen. Das spricht auf jeden Fall für Tanja Hanika, die es hier geschafft hat den Leser vollkommen zu fesseln und die Geschehnisse so detailliert beschrieb, dass man gar nicht anders konnte, als Kopfkino zu haben.

Gefiel mir nicht

Ich selbst habe nicht viele Horrorromane gelesen und bin mir deshalb nicht sicher, was dieses Genre ausmacht. Persönlich fand ich, dass ich mich bei einem Horrorroman vor allem gruseln müsste, doch bei Der Angstfresser war für mich weniger der Gruselfaktor im Fokus, als viel mehr der Ekel und die Grausamkeit des Geschriebenen / der Story. Somit hat das Buch nicht ganz meine Vorstellungen von einem Horrorroman erfüllt.

Schreibstil & Cover

Der Schreibstil ist sehr detailliert und lässt einen so vollkommen in die Geschichte eintauchen. Obwohl der Schreibstil bewusst abstossend gewählt wurde, konnte ich das Buch doch zu Ende lesen, sage aber klar; ihr solltet die Warnung im Klappentext ernst nehmen! Das Cover ist toll genau so wie das Format das Buches!

Fazit

Auf jeden Fall ein Buch, das es ganz schön in sich hat und dass man meiden sollte, falls man schwache Nerven oder einen empfindlichen Magen hat 😉 von mir eine Leseempfehlung an alle mutigen und furchtlosen unter euch!

Bewertung
Buchlänge ♥♥♥♥♥ (5/5)
Schreibstil ♥♥♥♥ (4/5)
Botschaft ♥♥♥ (3/5)
Lesevergnügen ♥♥♥♥ (4/5)


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Weitere Meinungen:
kejas-blogbuch.de

Die Vegetarierin von Han Kang #Rezension

Die Vegetarierin| Roman| 190 Seiten
Aufbau Verlag | Cover | ISBN: 978-3-7466-3333-6
gelesen vom 02.04. bis 05.04.2018


Klappentextdievegetarierin

Yong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. „Ich hatte einen Traum“, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet. Die Vegetarierin ist eine kafkaeske Geschichte in drei Akten über Scham und Begierde, Macht und Obsession sowie unsere zum Scheitern verurteilten Versuche, den Anderen zu verstehen, der ja doch, wie man selbst, Gefangener im eigenen Leib ist. Der Roman wurde mit dem Man Booker International Prize 2016 ausgezeichnet. (Quelle: Aufbau Verlag)

Zusammengefasst

Das Leben von Yong-Hye war bis anhin ruhig und beschaulich. Ihr Mann beschreibt sie als gewöhnlich und nicht sonderlich attraktiv.

„Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar.“

Die Geschichte beginnt harmlos, entwickelt sich aber rasant und wird immer bizarrer. In drei Akten wird hier aus der Sicht des Ehemanns, Schwagers und ihrer Schwester erzählt. Die Gedanken von Yong-Hye kommen dabei nur kurz am Anfang vor und so fällt es einem schwer während der Geschichte zu begreifen was mit ihr passiert. War es zu Anfangs nur der Verzicht auf Fleisch, so steigert sich dies schnell zu „keine tierischen Produkte mehr“ bis hin zu „Ich brauche nur Wasser“.

Schockierend, brisant, emotionslos und doch kraftvoll erzählt Han Kang das Schicksal einer Frau, die in jeder Hinsicht besonders ist.

Darüber Gedanken gemacht

Bevor ich diese Rezension schreiben konnte, musste ich mir erstmal ein paar Tage Zeit nehmen, um meine Gedanken zu sortieren. Ich nahm mir ausserdem auch die Zeit, um andere Rezensionen vom Buch zu lesen und mir so ein umfangreiches Bild zu machen. Denn der erste Eindruck täuscht und hinter diesem seltsamen Buch steckt mehr, als man zu Anfangs erwartet.

*** ab hier folgen Spoiler ***

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit der Entscheidung von Yong-Hye, die plötzlich beschliesst Vegetarierin zu werden. Auf die Fragen Ihres Mannes antwortet sie immer nur mit „Ich hatte einen Traum.“ Dieser Traum, der wirklich abstossend ist, verursacht eine Kettenreaktion und die Gedanken von Yong-Hye werden immer wirrer. Sie nimmt rasant ab und wird immer schweigsamer. Bei einem Geschäftsessen wird sie von den Arbeitskollegen ihres Mannes beinahe bemitleidet und die Entscheidung zum Vegetarismus, kann beinahe niemand so recht begreifen. Ihre Träume werden immer schlimmer und blutiger und mittlerweile, kann sie nicht einmal mehr ihren Mann ertragen, denn dieser riecht ihrer Meinung nach aus allen Poren nach Fleisch.

„Es ist mein Herz, das schmerzt, und in meiner Magengrube spüre ich einen undefinierbaren Druck. Er ist immer da. Im Moment sogar, wenn ich keinen BH trage. Auch ein tiefer Atemzug bring keine Erleichterung. Was sich dort angesammelt und festgesetzt hat, das sind Schreie und Gebrüll. Und die kommen vom Fleisch. Ich habe zu viel davon gegessen. All die Seelen sind dort eingeklemmt, da bin ich sicher. Blut und Fleisch werden verdaut […] Der Rest wird ausgeschieden. Aber die Seelen klammern sich hartnäckig in meinem Magen fest…“

Sie verliert weiterhin viel an Gewicht und ihr Mann zieht ihre Familie zur Hilfe, diese reagieren leider kaum verständnisvoll und bei einem Essen entsteht eine schreckliche Szene, in der ihr Vater sie schlägt und ihr tatsächlich Fleisch in den Mund stopft. Dieses spuckt sie sogleich aus, greift nach einem Messer und schneidet sich, vor den Augen der ganzen Familie, den Arm auf.

Sie landet in der Psychiatrie und auch dort versucht sie niemand zu verstehen, sondern weist immer wieder darauf hin, wie abartig sie nun ist und das dies alles dem Verzicht von Fleisch zuzuschreiben ist. Am schlimmsten fand ich aber die Reaktionen ihres Mannes.

„Aber am Tag darauf sollte Yong-Hye entlassen werden, was bedeutete, dass ich wieder mit dieser seltsamen und angsteinflössenden Frau zu Hause sein würde.“

In mehreren Szenen konnte man lesen, wie er sich vor allem über sich selbst und seinen Ruf sorgen machte. Er verstand nicht, wieso er nun ebenfalls kein Fleisch mehr zu Hause essen durfte und fühlte sich von seiner Frau zurückgewiesen. Anstatt zu versuchen ihr zu helfen vergewaltigte er sie stattdessen und dachte während der ganzen Zeit nur an sich und seine Bedürfnisse.

Im zweiten Akt erfährt man das nun einige Jahre vergangen sind und die Geschichte wird aus der Sicht des Schwagers geschildert. Dieser ist Künstler und mit der Schwester von Yong-Hye verheiratet. Als er erfährt, dass Yong-Hye einen Mongolenfleck auf ihrem Körper hat, beginnt er Fantasien zu entwickeln. Diese sind vor allem sexuell gesteuert und schnell entwickelt sich daraus ein Projekt.

Auch hier war wieder zu spüren, dass ein Protagonist sich nicht so gab, wie er eigentlich war und Dinge tat oder dachte, die von der Gesellschaft nicht akzeptiert wurden. So überredete er nämlich Yong-Hye, die mittlerweile die Psychiatrie verlassen durfte, führ ihn Nacktmodell zu stehen. Er bemalte ihren Körper mit lauter Blumen und plötzlich erwachte in ihr der Gedanke „Ich bin eine Blume.“ Bereits in der Psychiatrie zog sie sich öfters nackt aus und setzte sich so in die Sonne, sie hatte also kaum ein Problem damit, sich vor ihrem Schwager auszuziehen. Dieser verlor sich immer mehr in seinen Fantasien, die letzten Endes dann auch wahr wurden. Als seine Frau, die Schwester von Yong-Hye, die beiden dann erwischte, rief sie sofort den Notarzt, da sie überzeugt war, dass beide in die Psychiatrie gehören.

Im dritten Akt, kommt noch einmal alles zusammen und die Tragik wird einem noch bewusster. Yong-Hye hat nun endgültig das Gefühl eine Pflanze zu sein und lebt in ihrer eigenen Welt. Der letzte Abschnitt wird aus der Sicht der Schwester erzählt und lässt auch hier erblicken, dass auch sie kein Verständnis für sie hat und sich am liebsten wünschen würde, alles einfach zu vergessen. Auch hier wird noch einmal thematisiert, dass höchstwahrscheinlich das nicht essen von Fleisch, die Ursache allen Übels ist. Doch ganz am Ende wandelt sich die Sicht der Schwester und sie gibt dem ganzen noch einmal einen anderen Blickwinkel.

Gefiel mir sehr

Das Buch setzt keine Tabus und Han Kang nimmt kein Blatt vor dem Mund. Egal bei welchem Thema, sie wagt Dinge anzusprechen, die oft verschwiegen werden und so findet man in ihrem Buch nicht nur Themen wie Vegetarismus sondern auch Gewalt, Unterdrückung, Sexualität, Kunst und Freiheit wieder. Dies alles mischt sie auf eine bizarre Art und Weise miteinander und gibt dem Ganzen mit ihrem kühlen und beinahe abstossendem Schreibstil das gewisse Etwas.

Am Ende war ich zugleich schockiert und beeindruckt von dieser Geschichte. Es steckte so viel mehr darin, als man vermutet und umso länger ich über das ganze nachdenke umso klarer werden manche Szenen und die Tragik wird einem von einmal viel klarer.

Gefiel mir nicht

Der Stil der Geschichte war an manchen Stellen meiner Meinung nach zu krass und so war ich teilweise so abgestossen, dass ich mich zum weiterlesen zwingen musste.

Schreibstil & Cover

Den Schreibstil habe ich so bis anhin noch nicht gelesen. Sie schreibt auf eine Art kühl und distanziert und im nächsten Moment holt sie einen ganz nah an sich heran. Es ist wirklich nur schwer zu umschreiben. Das Cover ist wunderschön und versteckt aber auch die Botschaft des Buches darin.

Fazit

Ein sehr aufwühlendes Buch, dass einen schockiert, begeistert, abstosst sowie auch anzieht. Von mir gibt es deshalb eine bedingte Leseempfehlung, da ich finde, dass vielleicht nicht jeder mit diesem Thema umgehen kann und zugleich finde ich die Themen darin wichtig. Niemand sollte sich in seinem Leben unterdrücken lassen. Man sollte so sein können wie man möchte und vor allem auch das Essen dürfen, was man möchte.

Bewertung
Buchlänge ♥♥♥♥♥ (5/5)
Schreibstil ♥♥♥♥ (4/5)
Botschaft ♥♥♥♥ (4/5)
Lesevergnügen ♥♥♥♥ (4/5)


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Das Wunder von Coldwater von Mitch Albom #Rezension

Das Wunder von Coldwater| Roman| 336 Seiten
Goldmann Verlag | Cover | ISBN: 978-3-442-48426-3
gelesen vom 20.03. bis 02.04.2018


Klappentextdaswundervoncoldwater

Es ist ein kühler Morgen, als bei Tess Rafferty in der kleinen Stadt Coldwater am Lake Michigan das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung hört Tess die Stimme ihrer Mutter – und lässt vor Schreck den Hörer fallen, denn ihre Mutter ist seit vier Jahren tot. Und auch andere Bewohner erhalten plötzlich Anrufe von Verstorbenen. Schnell ist die Rede von einem Wunder, und Coldwater rückt in den Fokus der Medien. Immer mehr Menschen glauben an die Worte aus dem Himmel. Nur einer nicht: Der Pilot Sully Harding ist entschlossen zu beweisen, dass alles ein riesiger Schwindel ist. Aber ist es das? Oder existiert das Wunder von Coldwater wirklich? (Quelle: Goldmann Verlag)

Zusammengefasst

Das Setting des Buches ist eine Kleinstadt in Michigan. Eine Stadt mit dem Namen Coldwater, hier kennt jeder jeden und die Menschen sind sich ein ruhiges Leben gewöhnt. Doch diese Ruhe wird schlagartig gestört, als der erste Anruf vom Himmel die Erde erreicht. Es scheint ein Wunder zu sein. Die ersten paar Menschen werden von ihren Liebsten aus dem Jenseits kontaktiert. Doch nicht jeder freut sich über diese Anrufe. Die Geschichte nimmt aber erst so richtig Fahrt auf, als das ganze öffentlich wird und die einige der „Auserwählten“ sich zu den Anrufen bekennen.

Plötzlich richten sich alle Augen auf Coldwater und jeder will an diesem Wunder beteiligt sein, egal ob finanziell oder auf eine Gläubige Art. Die Stadt ist nich mehr so wie sie einmal war. Doch nicht jeder glaubt an dieses Wunder und die ersten Nachforschungsarbeiten beginnen… wohin wird das ganze wohl führen?

Darüber Gedanken gemacht

Während dem Lesen lernt man einige Einwohner aus Coldwater kennen, schnell erfährt man deren Hintergrundgeschichte und schnell wird einem klar, welche Verbindungen bereits zu Anfang unter einander existieren. Besonders beeindruckt war ich über den Lauf den die Geschichte nahm. Aus einem einzigen Anruf wurde plötzlich so viel mehr.

„Was dann geschah, hängt ganz davon ab,
was man zu glauben bereit ist.“
– S. 11

Die Stadt wurde von Pilgern sowie auch Demonstranten nahezu überrannt. Die Hotels waren bis auf das letzte Bett ausgebucht, die Diner rappelvoll und sogar der Handyladen wurde überflutet.  Schnell wurde den Menschen rund um Coldwater klar; mit diesem Wunder lässt sich auch sehr viel Profit schlagen. Die Medien stürzten sich auf diese Geschichte und besonders durch deren Einfluss wurde das ganze riesig.

Gefiel mir sehr

Am meisten mochte ich den geschichtlichen Hintergrund, denn nebst der Handlung in Coldwater lernt man auch viel über die Entstehung des Telefons und somit auch über  dessen Erfinder Alexander Graham Bell kennen, der bereits zu seiner Zeit grosse Visionen hatte. Besonders schön fand ich dabei auch die Geschichte über seine grosse Liebe, eine Dame, die Gehörlos war und doch wesentlich dazu beitrug, dass das Telefon überhaupt erfunden wurde.

„Ohne die Macht der Liebe, die den Erfinder dazu  veranlasst hatte, auf einen Zug zu  aufzuspringen, wäre Bells Erfindung vielleicht nie bekannt geworden. Doch als es dann geschah, war die Welt für immer verändert.“
– S. 90

Ebenfalls speziell zu lesen war die Entwicklung der einzelnen Protagonisten. So waren diese zu Anfangs nahezu alle Einzelgänger und mit der Zeit bildeten sich Freundschaften und sogar eine Liebesbeziehung. Es war schön zu lesen, wie einige durch dieses Wunder ihr persönliches Glück finden konnten und vor allem auch, wie sie auch mit der Vergangenheit abschliessen konnten.

„Unsere Wünsche richten den Kompass aus,
aber das wahre Leben lenkt den Kurs.“
– S. 311

Wundervoll fand ich die Botschaft am Ende des Buches, die ich hier aber nicht vorweg nehmen möchte, um nicht zu spoilern. Das Buch hinterlässt einen mit gemischten Gefühlen zurück. Es war schön, witzig und traurig zugleich, doch es war nie so, dass man das Gefühl hatte, zu einem Glauben gezwungen zu werden.

Gefiel mir nicht

Wenn ich dieses Buch mit „Dienstags bei Morrie“ vergleiche, fallen mir schon ein paar Schwachstellen auf, die Geschichte war zwar schön und enthielt viel Botschaft, doch nie so viel wie „Dienstags bei Morrie“, das mich einfach nicht mehr losliess. Irgendwie fehlte mir das gewisse Etwas an der Geschichte.

Schreibstil & Cover

Der Schreibstil war leicht und flüssig, der Aufbau der Protagonisten war meiner Meinung nach sehr durchdacht und stimmig. Das Cover gefällt mir richtig gut und wirkt sehr harmonisch.

Fazit

Mitch Albom hat hier ein tolles Buch geschrieben über ein Wunder, bei dem es einem selbst überlassen ist, wie viel man davon glauben möchte. Es ist eine tolle Geschichte für zwischendurch, die einen zum Nachdenken anregt. Von mir eine klare Leseempfehlung.

Bewertung
Buchlänge ♥♥♥♥♥ (5/5)
Schreibstil ♥♥♥♥♥ (5/5)
Botschaft ♥♥♥♥ (4/5)
Lesevergnügen ♥♥♥♥ (4/5)


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