Ein besonderer Vibe.
„Du siehst aus wie durchgekaut und ausgekotzt“, sagt Ali, als die Türglocke über mir klingelt.
– Tutto bene

Klappentext
Mars, Snickers, Happy Cherries – wenn Emma die Späti-Regale aufstockt, sieht sie nur eins: Kalorien. Ihr Studium hat sie abgebrochen, genauso wie den Kontakt zu ihrem Vater, der vermutlich irgendwo auf einer Parkbank seinen letzten Rausch ausschläft. Und auch Emma steht kaum einen Abend ohne Müller-Thurgau durch, die Tasse unter dem Tresen hilft ihr beim Vergessen. Ist doch tutto bene, oder? Nicht. Aber dann ist da plötzlich Ingrid: fünfzehn, rotzfrech und seit Neuestem Schülerpraktikantin im Späti. Nicht nur Udo, der einzig für Schokolade und Energydrinks hinter seinem Gaming-Computer hervorkriecht, mag die neunmalkluge Teenagerin auf Anhieb. Auch Emma lässt Ingrid bald unbedacht in ihr Herz. Unbedacht, denn jetzt muss sie ihre Probleme wirklich angehen – und die steigern sich exponentiell, als sie den Matrosen, der eigentlich Leo heißt, kennenlernt. Er will das, was sie seit Jahren scheut: eine Beziehung, mit allem, was dazugehört. Doch Emma wagt ja noch nicht mal, sich ein Tattoo stechen zu lassen, wie soll sie sich da zu so etwas Großem committen? Sich jemandem auch nur einen Spaltbreit zu öffnen, ist schon schwer genug.
Meine Meinung zu Tutto bene
Ach, Berlin! Bei Tutto Bene hat mich vor allem eines sofort abgeholt: die Atmosphäre.
Laura Wagner schafft es, Berlin so lebendig in die Geschichte einzubauen, dass die Stadt für mich fast selbst zu einer Figur wurde. Dieses leicht chaotische, laute, manchmal raue und gleichzeitig unglaublich lebendige Berlin-Gefühl hat mir richtig gut gefallen. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, mitten im Berliner Alltag zu stehen – zwischen kleinen Begegnungen, unterschiedlichen Menschen und all den Geschichten, die eine Grossstadt so mit sich bringt.
Besonders mochte ich dabei die Sprache. Sie ist direkt, modern und unkompliziert und hat für mich richtig gut zur Geschichte und zum Setting gepasst. Es fühlt sich nicht übertrieben glatt an, sondern angenehm authentisch und teilweise herrlich schnodderig. Genau das hat dem Buch für mich seinen eigenen Charakter gegeben.
Auch die Geschichte selbst hat mir gut gefallen. Es geht um Beziehungen, das Leben, Entscheidungen und die Frage, wo man eigentlich hingehört. Dabei wirkt nicht alles perfekt und durchgeplant – und genau das macht die Geschichte für mich sympathisch.
Ich mochte besonders, dass sich die Handlung nicht nur auf eine einzige grosse Liebesgeschichte reduziert, sondern auch die kleinen Momente und Begegnungen Raum bekommen. Dadurch entsteht eine Geschichte, die sich insgesamt sehr menschlich und nahbar angefühlt hat.
Natürlich gab es für mich auch ein paar Stellen, an denen ich mir etwas mehr Tiefe oder eine andere Entwicklung gewünscht hätte. Nicht jede Wendung konnte mich gleichermassen überzeugen und an manchen Punkten hätte ich gerne noch etwas länger bei den Figuren verweilt.
Trotzdem hatte ich insgesamt eine richtig schöne Lesezeit mit Tutto Bene. Für mich lebt das Buch ganz klar von seiner Atmosphäre, seiner Sprache und diesem besonderen Berlin-Gefühl.
Würde ich das Buch Empfehlen?
Ja! Für alle, die Geschichten mit einem authentischen Grossstadtgefühl, besonderen Figuren und einer Sprache mögen, die nicht um den heissen Brei herumredet.
Bewertung
Plot ♥♥♥♥ (4/5)
Schreibstil ♥♥♥♥ (4/5)
Botschaft ♥♥♥♥ (4/5)
Lesevergnügen ♥♥♥♥ (4/5)
Tutto bene | Roman | 288 Seiten
| ISBN: 978-3755800873
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